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Jean Sibelius

Orchestersuiten "Pelléas et Mélisande", "Schwanenweiß" & "König Kristian II."

Isländisches Sinfonieorchester, Petri Sakari

Chandos/Note 1 CHAN 10828
(80 Min., 10/1992)

Jean Sibelius hatte zeitlebens ein Faible sowohl für die Gesangsstimme als auch für das Theater. Man sollte also meinen, die Oper hätte sich damit zu einer seiner Lieblingsgattungen entwickeln müssen. Tatsächlich schuf er mit "Die Jungfrau im Turm" aber gerade mal eine einzige – und die geriet mit nur einer guten halben Stunde Spielzeit auch noch extrem kurz. Stattdessen verlegte sich Sibelius immer wieder auf Schauspielmusiken, setzte beispielsweise "Der Sturm" und "Was ihr wollt" oder auch "Jedermann" in Töne. Drei aus solchen Bühnenmusiken destillierte Orchestersuiten spielte Petri Sakari 1992 mit dem Iceland Symphony Orchestra ein, Chandos macht sie jetzt remastered in seiner Midprice-Reihe wieder verfügbar.
Die Musik zu Adolf Pauls Theaterstück "König Kristian II." schuf Sibelius kurz vor seiner ersten Sinfonie, was besonders in der abschließenden "Ballade" deutlich zu hören ist. Stimmungsmäßig gestaltet sich diese Suite deutlich abwechslungsreicher als die beiden anderen Werke, die deshalb aber nicht weniger reizvoll sind. Für Maurice Maeterlincks "Pelléas et Mélisande" wählt der Komponist ruhige Tempi und dunkle Farben, verzichtet auf Kontraste. Ähnlich ruhig, wenn auch in lichteren Farben geht es in "Schwanenweiß" zu, einem Märchendrama von August Strindberg, bei dem man aus Platzgründen (die CD ist mit knapp 80 Minuten wirklich randvoll) leider auf zwei Stücke der Suite verzichten musste.
Das Iceland Symphony Orchestra gehört gewiss nicht zu den Topklangkörpern – bei den Streichern gibt es durchaus Luft nach oben, die Holzbläser allerdings sind sehr gut –, doch spielen die Musiker lustvoll, mit echter Hingabe. Und dieses hörbare Engagement, das Petri Sakari am Pult in wunderbar geformte Charakterbilder fließen lässt, macht die Qualität dieser Wiederveröffentlichung aus.

Michael Blümke, 02.08.2014



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