Die Mezzosopranistin Magdalena Kožená besitzt genau dieses Bewegende, Bannende, Packende in ihrer Stimme, mit der sie aus jeder noch so brutalen Seelenmarter etwas Glückseliges anklingen lässt. Das hat sie schon ausführlich in barocken Ausflügen gezeigt, bei denen es um das unberechenbare Gemisch aus Liebesfreud und Liebesleid gegangen ist. Und auch auf ihrer jüngsten Aufnahme „Prayer“ geht es nicht weniger zerrissen und zweifelnd, sehnsüchtig und hoffend zu. Schließlich bietet das für Stimme und Orgel arrangierte Programm einen Querschnitt durch vier Jahrhunderte religiöser Musik. Dafür hat Kožená gemeinsam mit Organist Christian Schmitt u.a. Ausschnitte aus Bachs „Schemellis Gesangbuch“, Schubert-Lieder, aber auch eine Kantate von Henry Purcell sowie ein „Ave Maria“ von Verdi ausgewählt.
Zwischendurch kann man veritable Entdeckungen machen. So besitzt ein „Agnus Dei“ von Bizet die Züge einer Verdi-Arie. Und ein „Kaddisch“ von Maurice Ravel ist ganz im osteuropäischen Stile komponiert. Auch wenn diese Abfolge ohne jeden dramaturgischen Faden in der Zusammenstellung der Werke auskommen muss, so bleibt man doch nahezu bei jedem Stück unvermeintlich hängen. Denn Schmitt erweist sich mit seinem farben- und ausdrucksreichen Spiel auf einer Regensburger Konzertorgel schlichtweg als idealer Dialog- und Glaubenspartner von Magdalena Kožená, die all die Verlust- und Klagegesänge ohne falsches Pathos präsentiert. Vielmehr sorgt sie mit ihrem kraftvoll-beweglichen und dann wieder feinschattierten Timbre für irdische Glücksgefühle.

Guido Fischer, 09.08.2014



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