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Harrison Birtwistle

Kammermusik

Lisa Batiashvili, Adrian Brendel, Till Fellner, Amy Freston, Roderick Williams

ECM/Universal 4765050
(66 Min., 8/2011)

Das Musiktheatralische liegt Harrison Birtwistle im Blut. So hat der in den Adelsstand erhobene und 1995 mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis ausgezeichnete Engländer allein elf Opern für bedeutende Häuser komponiert. Doch auch Birtwistles Instrumentalmusik besitzt dieses mehrdimensionale, wuchernde Element, das den hochkomplex durchkonstruierten Geschöpfen geradezu körperliche Züge verleiht. Erst jüngst hat das Arditti Quartet sich seinen sämtlichen Streichquartetten angenommen. Nun – zum 80. Geburtstag von Birtwistle – haben sich Ausnahmesolisten wie Violinistin Lisa Batiashvili, Pianist Till Fellner und Cellist Adrian Brendel mit zwei Vokalisten zusammengetan, um dem Kammermusik- und Liedkomponisten zu gratulieren.
Leichte Kost sind weder das einsätzige Trio von 2010, das Birtwistle für die drei Instrumentalisten geschrieben hat, noch die Vertonungen von Gedichten Rilkes sowie der Amerikanerin Lorine Niedecker. Trotzdem ist man ab der ersten Note, die in diesem Fall eine beklemmende Cello-Geste und einen noch düstereren Niedecker-Song einläutet, gepackt von einer klangerzählerischen Wucht und Unbedingtheit. Als ähnlich schnell reizbar und spannungsgeladen erweist sich das einsätzige Trio, das den fantastisch aufgestellten, weil für diese Herausforderungen überaus kompetenten Musikern selbst in winzig gesetzten Pausen hörbar keinen Schnappatmer gönnt. Und auch in den Songzyklen erweisen sich Sopranistin Amy Freston und Bariton Roderick Williams dank beredter Deklamation und einfühlsamer Illuminationskünste als erste Wahl.

Guido Fischer, 23.08.2014



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