home

N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Responsive image
Tobias Hume

A Scottish Soldier

David McGuinness, Concerto Caledonia, Thomas Walker, Alison McGillivray

Delphian/harmonia mundi DCD34140
(57 Min., 8/2012)

Eigentlich war sein Leben filmreif, auch wenn bis heute viele Daten und Fakten, wie sein tatsächliches Alter, weiterhin im Dunkeln liegen. Wenigstens ist verbrieft, dass Tobias Hume 1645 mit vielleicht 70 Jahren in einem Londoner Armenhaus verstarb. Und dass er Zeit seines abenteuerlichen Lebens reichlich blutverschmierte Hände hatte, dürfte auch ziemlich sicher sein. Als Söldner in der Russischen und Schwedischen Armee muss er immerhin am Degen ziemlich hemmungslos gewesen sein, um zum „Captain Tobias Hume“ befördert zu werden. Der Schotte war aber eben nicht nur an der Klinge treffsicher. Am musikantischen Florett – dem Gambenbogen – beherrschte er ebenso alle Tricks und Kniffe, um auf sechs Saiten mal eine ganze Kompanie säbelrasselnd aufmarschieren zu lassen. Oder er konnte diesem tiefgeschnürten Vorläufer des Cellos genau jene Stimmen und Stimmungen entlocken, wie es in der von der Melancholie so arg gepeinigten elisabethanischen Epoche üblich war. Trotzdem steht Mr. Hume heute weiterhin im Schatten etwa John Dowlands – obwohl sich bereits ein Jordi Savall an ihm als Ehrenretter versucht hatte.
Ab sofort aber dürfte er nicht mehr länger überhört werden können. Zu verdanken ist dieser Durchbruch der schottischen, von David McGuinness geleiteten Alte Musik-Gang Concerto Caledonia, die sich aus Humes zwei Notensammlungen insgesamt 22 Filetstücke herausgepickt haben. Dazu gehören introvertierte Consort-Elegien, stolze und federleichte Galliards sowie Songs, in denen auch die liebliche Wirkung des Tabaks besungen wird. Und dass Tobias Hume zudem ein komponierender Recke mit der nötigen Prise Humor gewesen ist, weiß Tenor Thomas Walker in „The Souldiers Song“ köstlich und mit großem Wow-Effekt zu bestätigen!

Guido Fischer, 23.08.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sanfter Umbruch: Die Jahre als Kapellmeister beim Fürsten Ésterhazy weiß Joseph Haydn als Experimentierfeld zu nutzen. Das zeigen nicht nur seine fast planvollen Erprobungen im Bereich der Sinfonie, deren weltweit geschätzter Könner er werden wird, sondern auch die solistischen Einsätze und in diesen Jahren entstandenen Solokonzerte. Wie auch Mozart kannte Haydn die Solisten, für die er schrieb alle persönlich, es waren meist seine Kollegen in der Hofkapelle. Die beiden überlieferten […] mehr


Abo

Top