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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Carlo Maria Giulinis Verdi-Requiem von 1963 (EMI) hat Schallplattengeschichte geschrieben: Wegen seiner außergewöhnlichen Solistenbesetzung mit Elisabeth Schwarzkopf und Christa Ludwig sowie der u.a. auch daraus resultierenden fast „kammermusikalischen“ Anlage im Solobereich sticht es aus der Masse der Aufnahmen hervor.
Nun präsentiert das englische Label „Testament“ eine weitere Aufnahme Giulinis aus jener Zeit, die die BBC im August 1960 beim Edinburgh Festival produziert hat. Diese Version ist bisher mehr oder weniger unveröffentlicht, lediglich ein Raub-Label hat sie vor einigen Jahren schon einmal präsentiert. Auch hier sind es nun die Solo-Damen, die – allerdings auf andere Weise als 1963 – hervorstechen. Es handelt sich nicht um „Außenseiterinnen“ in Sachen Verdi-Requiem, sondern einerseits um die 33 Jahre junge Joan Sutherland, die in der vorliegenden Aufnahme eine weitaus überzeugendere Performance liefert als sieben Jahre später unter Solti (Decca): Man versteht unmittelbar, welche Faszination von dieser Künstlerin ausgegangen sein muss. An ihrer Seite erleben wir die 25-jährige Fiorenza Cossotto, die mit ihrer gut fokussierten, energiegeladenen Mezzostimme nicht minder begeistert. Neben so viel Glanz haben es die Herren nicht leicht: Luigi Ottolini und Ivo Vinco liefern beachtliche Leistungen in ihren Soli, wirken aber unterm Strich weniger profiliert als die unverwechselbar timbrierten Damen.
Beim Zusammenspiel der Vokalkräfte mit dem Orchester stört, dass es immer wieder einmal klappert und wackelt: Ritardandi und Übergänge funktionieren nicht immer reibungsfrei, und etwa im Getümmel des „Dies Irae“ sind auch Chor und Orchester nicht immer zuverlässig übereinander. Der Chor als solcher macht ebenfalls nicht nur Freude: Gleich im Mittelteil des „Introitus“ fällt er mit recht unsensibler, plärriger Stimmgebung aus dem Rahmen, die auch komplett an der Textaussage vorbeiläuft.
Trotz vieler elektrisierender Momente in dieser Version würden wir dem Beiheftautor dieser Veröffentlichung also eher nicht zustimmen, der meint, die 1960er-Aufnahme lasse die Studioproduktion von 1963 verblassen.

Michael Wersin, 23.08.2014



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