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Edward Elgar, Zoltán Kodály, Boris Blacher

Enigma-Variationen, Variationen über ein ungarisches Volkslied, Variationen über ein Thema von Paganini

Wiener Philharmoniker, Georg Solti

Decca 452 853-2
(67 Min.) 1 CD

Der Titel dieser CD könnte “Autobiografische Variationen” lauten. Drei Ländern erweist Georg Solti mit dieser Einspielung Reverenz: seinem Geburtsland Ungarn, Deutschland, wo er seine grundlegenden Erfahrungen als Dirigent sammelte, und seiner neuen Heimat England. Jedes dieser Länder ist mit einem dort komponierten Variationenzyklus vertreten: England natürlich mit Elgars unverwüstlichen Enigma-Variationen, Ungarn mit den “Pfau”-Variationen Kodálys, und Deutschland - nein, dankenswerterweise eben nicht mit Brahms’ Haydn-Variationen, sondern mit einem Werk des auch hierzulande sträflich unterschätzten Boris Blacher.
Dessen Paganini-Variationen - auf dasselbe Thema wie die gleichnamigen Stücke Brahms’, Rachmaninows und unzähliger anderer - sind ein gutgelauntes, unterhaltsames Werk mit leicht jazzigen Anklängen und einer unwiderstehlich rasanten Schluss-Coda, das wirklich größere Popularität verdient hätte. Solti und die Wiener interpretieren es jedenfalls mit hörbarem Spaß an der Sache. Auch Kodálys impressionistische Volkslied-Variationen, das orchestrale Hauptwerk des ungarischen Komponisten, liegen Solti im Blut. Schließlich geht es in diesem Stück nicht nur um die sinfonische Anverwandlung von Folklore, sondern um ein Bekenntnis zur ungarischen Musiktradition schlechthin.
Elgars “Rätsel-Variationen”, ein Werk, das Solti in der Vergangenheit bereits auf Platte gebannt hat, klingen unter seinen Händen betont schlank und “kontinental”. Der langsame, hymnische “Nimrod”-Satz dauert bei Solti gerade mal drei Minuten; die meisten seiner Kollegen brauchen mindestens vier dafür. Auch im Finale verzichtet Solti auf jeden Pomp und drängt den Ad-libitum-Orgelpart in die hinterste Ecke oder lässt ihn gleich ganz weg - ich höre ihn jedenfalls nicht. Ob eine solche Versachlichung dem Werk gut zu Gesicht steht, bleibe dahingestellt - schließlich gehört etwas viktorianisches Pathos durchaus zum Grundcharakter des liebenswerten Stücks, und dieses zu überspielen, heißt Elgar verfälschen. Sonst jedoch gibt es an dieser brillant aufgenommenen und gespielten Jubiläums-Veröffentlichung - Sir Georg feiert in diesem Jahr seinen fünfundachtzigsten Geburtstag und das fünfzigjährige Jubiläum seines Exklusivvertrags mit Decca - nichts auszusetzen.

Thomas Schulz, 31.03.1997



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