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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Johannes Brahms

Sinfonien Nr. 1 - 4, Tragische Ouvertüre, Akademische Festouvertüre, Klavierkonzerte Nr. 1 & 2, Violinkonzert

Maurizio Pollini, Lisa Batiashvili, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Deutsche Grammophon/Universal 479 2787
(195 Min., 6/2011 - 4/2013) 3 CDs & 1 DVD CDs

Mit einem Brahms-Zyklus startete Christian Thielemann in seine Regentschaft bei der Staatskapelle Dresden, die Mitschnitte erscheinen nun gebündelt in dieser Box. Die zwei Klavierkonzerte und das Violinkonzert, die bereits einzeln auf CD veröffentlicht wurden (siehe Besprechungen im RONDO-Rezensionsarchiv), kann man nun auch visuell rezipieren, sie liegen als DVD bei. Richten wir unser Ohrenmerk also auf die Sinfonien und die beiden Konzertouvertüren, in denen sich Thielemanns Qualitäten und Unarten bestens verfolgen lassen, wobei nicht selten Punkte auf der Haben-Seite gleichzeitig auf der Soll-Seite auftauchen. Das trifft beispielsweise auf seine Rubato-Leidenschaft zu, die man durchaus als anregenden Pluspunkt verbuchen könnte, wenn sie bei ihm nicht allzu häufig in agogische Willkür und damit ins Manierierte umkippen würde. Im Finalsatz der Ersten setzt er Rubati ganz selbstverständlich ein, im letzten Satz der Zweiten dagegen wirkt das ständige Anziehen und Abbremsen einfach nur aufgesetzt und unausgegoren.
Dieser Eindruck des Unausgegorenen und Unentschlossenen zieht sich durch den gesamten Zyklus. Da gibt es sowohl überaus gelungene Passagen von beeindruckender Größe als auch wunderschöne Momente voll exquisiter Klangvaleurs (ein extradickes Lob an die Staatskapelle Dresden und ganz besonders an die betörend spielenden Holzbläser!), doch formt Thielemann sie nicht zu einem organischen Ganzen. Es herrscht eine Tendenz zum Weichen, Wendigen, Geschmeidigen, immer wieder fehlt es an Nachdruck, besonders auffällig im allzu saft- und kraftlosen Eröffnungssatz der Vierten. Der Brahms inhärenten Energie und Leidenschaft gewährt der Maestro nicht besonders viel Raum, er zeigt zwar durchaus auch einmal Muskeln, viel zu selten aber dort, wo es von der Partitur gefordert wird, nicht wenigen Höhepunkten verwehrt er die Entladung, spielt sie herunter, sabotiert sie. Wer Brahms liebt, greift besser zur vergangenes Jahr herausgekommenen Gesamtaufnahme des Gewandhausorchesters unter Riccardo Chailly.

Michael Blümke, 13.09.2014



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