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Joy In Spite Of Everything

Stefano Bollani

ECM/Universal 3784459
(76 Min., 6/2013)

Das Leben ist schlimm? Will uns der Pianist Stefano Bollani dies sagen? Und dann ist er trotzdem fröhlich? Genau. Warum auch sollte man sich von diversen widrigen Umständen auch unterkriegen lassen und in hässlichen Zeiten hässliche Musik machen, wo doch schöne, Harmonie atmende Klänge sehr viel mehr Freude machen. „Easy Healing“, der erste Titel, ein Calypso, wirkt so unbeschwert, als könne mit etwas guter Laune tatsächlich jeder Schmerz geheilt werden. Dann allerdings dreht die Stimmung von der vordergründigen Fröhlichkeit zur tieferen, inneren Lebensfreude. Es ist ein Vergnügen, wie sich Bass und Schlagzeug um Bollani gruppieren, wie sein intensives Klavierspiel, seine Läufe und Tontrauben von den Partnern aufgegriffen und kommentiert werden und er darauf reagiert.
In vier Quintett- und einer Quartettnummer bläst der Tenorsaxofonist Mark Turner weitläufige Melodien und dicht geballte, flirrende Klangwolken. Eng geknüpft sind diese Stücke, intensiv im Zusammenspiel insbesondere der Rhythmusgruppe aus Bollani, dem Kontrabassisten Jesper Bodilsen und dem Schlagzeuger Morten Lund, die in „Alobar e Kudra“ und dem Titelstück „Joy In Spite Of Everything“ als reines Klaviertrio zu hören ist. Dass der Gitarrist Bill Frisell in einer Band als Sideman mitwirkt, geschieht – so die Erkenntnis nach 75 Minuten – viel zu selten. Denn er versteht sich großartig darauf, mit seinen Akkorden wie einst Jim Hall von den Erwartungen abweichende Akzente zu setzen. Bestens von den Ensemblenummern umrahmt, fällt das Duett „Teddy“ von Frisell und Bollani fast nicht auf: eine sensible Hommage an den einst an Benny Goodmans Seite aktiven Swing-Pianisten Teddy Wilson, und dies ohne die geringste Spur von Retro-Jazz, auch wenn die beiden in ihrem intensiven Zwiegespräch unter anderem mit Swingfiguren kokettieren, sie ineinander verschränken und so vergnügt kommunizieren, dass sich der Wunsch einstellt, sie sollten mal ein ganzes Album miteinander einspielen.

Werner Stiefele, 13.09.2014



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