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Edward Elgar, César Franck

Violinsonaten

Midori, Robert McDonald

Sony SK 63331
(54 Min., 6/1997) 1 CD

Zwei große Violinsonaten blicken in die romantische Vergangenheit zurück: Jene des Engländers Edward Elgar zu Brahms, die César Francks zu Wagner-Spätblüten, die sich an verschiedenen Gestirnen wärmen. Midori wirft sich mit vielversprechendem Schwung in das dramatische Gewoge, mit dem Elgar seine herrliche, selten gespielte e-Moll-Sonate beginnt. Doch der Kopfsatz, so herrisch am Anfang, verspinnt sich immer mehr in jenes polyphon-murmelnde Stimmgeflecht, wie es Brahms letzte Sonate beherrscht. Gerade diese Polyphonie gerät unter dem etwas scharfen, vibratoarmen und bei aller Intonationssicherheit ausgesprochen unbiegsamen Violinton Midoris in Gefahr zu vertrocknen. Gegen die warm-bedächtig aussingende Einspielung mit dem Nash-Ensemble hat diese Deutung jedenfalls keine Chance. Engagement und technische Reife sind unüberhörbar, doch die Kälte bleibt.
Auch der Weg durch die betäubenden spätwagnerischen Harmonien Francks ist arm an sinnlicher Wärme, arm an Nuancen. Im Allegro besteht kaum Gefahr, dass Midori ihr schmales Emotionsrepertoire erweitert – die abgerissenen Melodiebögen (ein gezwungener, unschöner Effekt) mögen den Wunsch nach Wildheit erkennen lassen, doch der befreiende Rausch bleibt fern – auch weil der Pianist Robert McDonald hier nur treuer Adlatus bleibt, anstatt Pianostürme zu entfesseln. Dass er derlei generell nicht will, belegen die Schlussakkorde des Finales, die sich wie Luftblasen einfach verflüchtigen, statt im grandiosen Forte emporzuschießen. So verflüchtigt sich auch die Erinnerung an diese CD.

Matthias Kornemann, 31.01.1998



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