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Jan Ladislav Dussek

Klavierkonzerte in G-Dur op. 1/III, C-Dur op. 29, Es-Dur op. 70

Howard Shelley, Ulster Orchestra

Hyperion/Note 1 CDA68027
(68 Min., 9/2013)

Angeblich soll Johann Ladislav Dussek (1760 - 1812) der erste Pianist gewesen sein, der auf die Idee kam, den Flügel quer zum Publikum zu stellen – nämlich mit dem Zweck, sein wohlgeformtes Gesichtsprofil so recht zur Geltung bringen zu können. Die äußere Schönheit verging allerdings rasch – Dussek starb alkoholkrank und stark übergewichtig mit nur 52 Jahren in Paris. Die Klavierkonzerte, mit denen er in Europa Furore machte, haben jedoch ihren ausgesprochenen Charme bis heute erhalten – und zeugen daneben auch von dem innovativen Geist, den Dussek bei aller Publikumsnähe ebenfalls besaß.
Je ein frühes, mittleres und spätes Werk stellt Howard Shelley auf seiner repräsentativen Einspielung vor, und wenn man einen Blick auf die Kompositionsdaten wirft, wird man immer wieder erstaunt sein, wie sehr sich Dussek bei aller zur Schau gestellten pianistischen Brillanz formal auf der Höhe seiner Zeit bewegt. Nicht etwa im Gefolge, sondern an der Seite von Mozart und Beethoven erschließt er dem Klavierkonzert die sinfonische Dimension und verleiht ihm – auch inspiriert von den Dur-Moll-Wechseln der Volksmusik seiner böhmischen Heimat – eine deutlich vorromantische Anmutung, auf der die Generation Chopins und Schuberts unmittelbar aufbauen konnte. Howard Shelley, der sich bereits vielfach um die Aufwertung vernachlässigter Werke komponierender Kaviervirtuosen zwischen Klassik und Romantik verdient gemacht hat, weiß auch auf dem modernen Flügel stilsicher Funken aus Dusseks Musik zu schlagen. Zugleich profitiert die inspirierte, charmante und frische Aufnahme von der ausgezeichneten Interaktion zwischen dem Solisten und dem von ihm geleiteten Ulster Orchestra. Den Klangfarbenreichtum einer Interpretation mit historischen Instrumenten kann die Einspielung zwar naturgemäß nicht erreichen, doch bietet sie einen guten Einstieg in Dusseks Welt und liefert auch den Beweis, dass seine kompositorischen Ideen stark genug sind, um auch außerhalb der historischen Aufführungspraxis ihre Wirkung zu entfalten.

Carsten Niemann, 27.09.2014



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