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Johann Sebastian Bach

Bach (Konzert für Violine und Oboe c-Moll BWV 1060, Violinkonzert E-Dur BWV 1042, Sinfonia aus Kantate BWV 156 u.a.)

Lisa Batiashvili, Franҫois Leleux, Emmanuel Pahud, Sebastian Klinger, Peter Kofler, Kammerorchester des Symphonieorchesters des BR, Radoslaw Szulc

Deutsche Grammophon/Universal 479 2479
(69 Min., 12/2013 & 1/2014)

Wegen aufführungspraktischer Überzeugungen landet kein Mensch auf einer Anklagebank, nein: Auch die sogenannte „Alte Musik“ ist heutzutage Allgemeingut und darf prinzipiell von jedem so gespielt werden, wie er es für richtig hält. Vor diesem Hintergrund ist es hochaufrichtig, dass Lisa Batiashvili das Bedürfnis hat, ihren Weg zu Bach zu erklären: Als im gesamten Violinrepertoire vom Barock bis zur Moderne beheimatete Interpretin möchte sie nicht „für jede Epoche ein neues Instrument lernen“, aber sie hat „alte Bögen ausprobiert“ und sich „mit alten Spielpraktiken“ beschäftigt. Das merkt man sehr wohl, obwohl Frau Batiashvili am Ende für sich den Schluss gezogen hat, dass man „nicht einem dogmatischen Stil folgen soll, weil es vielleicht damals so geklungen hat“. Anders als etwa Hilary Hahn lässt sich Lisa Batiashvili durchaus auf eine barock anmutende Artikulation und Phrasierung ein, und sie spielt vibratoarm: Messa di voce ist ihr nicht fremd, und das Legato ist für sie offenbar nicht oberstes Gebot, wenngleich es ihr nicht gerade leicht fällt, den Klangstrom aus artikulatorisch-rhetorischen Gründen zu unterbrechen.
Zu Batiashvilis trotz aller Symphathie für’s Historisierende doch recht süßem Ton passt das entsprechende Oboentimbre ihres Mannes Franҫois Leleux, der im Doppelkonzert BWV 1060 (das wir eigentlich als Konzert für zwei Violinen kennen) ihr Partner ist. In der Arie „Erbarme dich, mein Gott“ ersetzt er die Altistin – spätestens an dieser Stelle wird freilich ganz klar, dass es sich hier weniger um eine Bach-CD als um eine „Lisa Batiashvili & Friends Play Bach“-CD handelt, ganz gemäß der Repertoirepolitik des Labels Deutsche Grammophon. Nun ja, Bachs Musik geht nicht kaputt, wenn man sie so präsentiert, und so freuen wir uns einfach am bemerkenswerten musikalischen Instinkt dieser modernen Geigerin, die es sich nicht nehmen lassen möchte, ihrem Publikum auch „ihren“ Bach zu präsentieren – gut so.

Michael Wersin, 04.10.2014



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