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Juice

John Medeski, John Scofield, Billy Martin, Chris Wood

Okeh/Sony 88875005012
(64 Min.)

Es lebe der R&B. Und der Jazz. Und Reggae. Und Soul. Und vor allem die Mixtur aus alle dem. Mit „Juice“ haben der Keyboarder John Medeski, der Gitarrist John Scofield, der Drummer Billy Martin und der Bassist Chris Wood weitaus mehr als einen aus diesen Ingredienzien bestehenden Multivitaminsaft angesetzt. Ihr Juice ist durchgegoren, aromenreich, kantig und bei aller Komplexität doch angenehm zu genießen. Sie erweisen einem der Ahnväter des groovenden Souljazz, Eddie Harris, mit einer von federndem R&B-getränkten Version von „Sham Time“ die Referenz, danach reiben sich in Scofields „North London“ harsche Gitarrenriffs an süffigen Orgelmelodien, und mit Billy Martins „Louis The Shoplifter“ reisen die vier – nun mit Medeski am Klavier – in südamerikanische Gefilde, in denen sich der angebliche Ladendieb Louis, faktisch jedoch die gesamte Band, mit Licks aus dem Genre des Easy-Listening-Bereichs vergnügt.
Zwischen insgesamt sechs Eigenkompositionen mengen sie neben „Sham Time“ drei weitere Cover-Versionen. „Sunshine Of Your Love“, einst ein bluesbasierter Klassiker der britischen Rockband „The Cream“, mutiert zum vergnüglichen Reggae mit anfangs augenzwinkernd eingesetzten Bezügen auf Eric Claptons Soli in der Urfassung, die sich in der fast elfminütigen Version immer stärker zu Gunsten von Scofields eigenen Ideen verflüchtigen. Auch „Light My Fire“, einst ein Hit von The Doors, gewinnt in der Bearbeitung neue Konturen. Im Gegensatz dazu behalten sie bei ihrer Version von Bob Dylans Klassiker „The Times They Are A-Changin‘“ das Singer/Songwriter-Feeling bei, wobei zunächst Scofields Gitarre und später John Medeskis Gitarre die Rolle des Sängers übernehmen. Siebzehn Jahre ist es nun her, dass die Traumbeziehung dieses Quartetts begann. Damals sprach John Medeski, Chef des damals populärsten amerikanischen Orgeltrios, auf den Anrufbeantworter von John Scofield, unangefochtener Gitarrenstar im Feld zwischen R&B und Jazz. Der eine hatte sich den Anruf fast nicht getraut, und der andere vermutete den Fake eines Fans, rief dennoch zurück – und war verblüfft, nicht veralbert worden zu sein. Seitdem gibt es immer wieder Phasen, in denen sie zusammen touren sowie bislang drei Alben. Ein Glück, dass Scofield damals zurückrief.

Werner Stiefele, 04.10.2014



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