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Igor Strawinski, Anton Webern, Claude Debussy

Pierre Boulez in Moskau (Petruschka, Sechs Orchesterstücke, La mer)

Pierre Boulez, Sinfonieorchester des Moskauer Konservatoriums

Melodyia/Naxos 10 02255
(67 Min., 3/1990)

1990 bekam Moskau prominenten Besuch. Zum ersten Mal nach 23 Jahren war Pierre Boulez wieder in der Stadt, um nicht nur mit seinem Pariser „Ensemble intercontemporain“ die jüngste, westliche Avantgarde vorzustellen. Neben Workshops stand auch ein Konzert mit dem Sinfonieorchester des Moskauer Konservatoriums auf dem Programm. Und was verlangte er da den jungen Studenten ab? Es waren Werke von drei Komponisten, mit denen Boulez wohl mindestens ein Drittel seines Dirigentenlebens verbracht haben dürfte. Auf Igor Strawinskis „Petruschka“-Ballett folgten die „Sechs Orchesterstücke“ op. 6 von Anton Webern sowie Debussys „La mer“. Alles Stücke also, mit denen Boulez den aufstrebenden Orchestermusikern die Bandbreite der revolutionären klassischen Moderne näher bringen konnte.
Nun mag die Tonqualität dieses Radiomitschnitts der Live-Übertragung nicht den aktuellen Standards genügen. Da bilden die einzelnen Orchestergruppen nicht immer die ersehnte Balance. So hat man bei Strawinski ständig das Gefühl, dass Boulez selbst im Konzert speziell die Schlagzeuggruppe durchgehend angefeuert hätte. Und so satt und rund die Blechbläser im Finalsatz von Debussys „La mer“ rüberkommen – die Streicher müssen sich da ganz schön Gehör verschaffen. Dennoch lassen sich immer wieder genau jene Perspektivwechsel und Farbschattierungen heraushören, die absolut Boulez´ Handschrift tragen. Und genau deshalb besitzt diese Veröffentlichung innerhalb von Boulez´ riesiger Diskografie mehr als nur musikhistorischen Wert.

Guido Fischer, 11.10.2014



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