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Charlie Haden – Jim Hall

Charlie Haden, Jim Hall

Impulse/Universal 3784183
(76 Min., 7/1990)

Was für ein wunderbarer Bassist war Charlie Haden doch! Mit stoischer Ruhe konnte er Free-Kollegen auch bei wilden Ausbrüchen aus dem Hintergrund Orientierung geben, und die beiden Duo-Scheiben „Jasmine“ und „Last Dance“ mit dem Pianisten Keith Jarrett sind romantische Meisterwerke. Nun wurde beim wiederbelebten Label Impulse ein neues Duowerk ausgegraben: eine leicht rauschende Rundfunkaufnahme der Canadian Broadcasting Corporation mit Haden als Partner des Gitarristen Jim Hall. Damals, am 2. Juli 1990 auf dem Montreal International Jazz Festival, spielte Haden wesentlich spröder als über zwei Jahrzehnte später mit Jarrett – aber genau dieses andere, weniger Glänzende macht den Reiz der Aufnahmen aus.
Zum einen begleitet ihn Haden, als sei der Gitarrist eine vollständige Band: Er hält sich im Hintergrund, er markiert die Harmonien, er schmückt sie ein wenig aus – mehr nicht. Wobei das, was er unternimmt, wohin er sich bewegt, wie er grundiert, wie er mit wachem Ohr ahnt, wohin Hall streben könnte, wie er Entwicklungen mitzieht, wie er seinem Partner den Rücken frei hält, wie er unermüdlich und souverän begleitet, wie er dient, stützt und steuert eine Klasse für sich ist. Und wenn er nicht ahnt, wohin sich Hall bewegen will, dann wartet er einfach ab. Seine Soli wiederum lösen sich erst langsam aus den oft mit weiten Tonabständen operierenden Begleitfiguren, nähern sich erst nach einigen Takten ihrem Thema an, wenden es mit ungewöhnlichen Schritten, als sei er besorgt, mit schwelgerischen Melodien zu viel von sich preis zu geben. Es scheint, als habe er sich als dienender Partner im Hintergrund wohler als im Vordergrund gefühlt. Gerade weil die Duo-Aufnahmen so anders als jene Zwiegespräche mit Jarrett ausfielen, sind sie ein weiterer, berührender Mosaikstein in der Erinnerung an den großartigen, am 11. Juli 2014 gestorbenen Kontrabassisten.

Werner Stiefele, 18.10.2014



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