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Arvo Pärt, Ivan Moody

Stabat Mater, Simeron

Goeyvaerts String Trio, Zsuzsi Tóth, Barnabás Hegyi, Olivier Berten

Challenge/New Arts International CC72616
(53 Min., 6 & 10/2013)

Zwei Kompositionen christlichen Inhalts von zwei zeitgenössischen Komponisten, geschrieben für dieselbe ungewöhnliche Besetzung und in zumindest ähnlichem Tonfall – Es ist, als hätten sich der Este Arvo Pärt und der Brite Ivan Moody abgesprochen. Davon ist indes nicht auszugehen: Pärts „Stabat Mater“-Vertonung entstand schon 1985, Moodys „Simeron“ entstand im Jahre 2012. Beide Werke sind allerdings tonal gehalten, beide Werke modulieren nicht bzw. wenig und beide haben meditativen Charakter, der den Zuhörer (sofern er die Ruhe dazu aufbringen kann) zur Fokussierung auf den behandelten Gegenstand zwingt. Im Falle von Pärt (dem das Etikett „meditativ“ sicher nicht gefallen würde) ist dies das Leiden der Gottesmutter Maria unter dem Kreuz und der in der Anschauung des Geschehens wachsende Wunsch des Betenden, an diesem Leid Anteil zu haben. Bei Moody, der sowohl Komponist als auch orthodoxer Priester ist, thematisiert der Text (dessen Herkunft nicht benannt wird) den Einzug Christi in die Unterwelt nach seiner Kreuzigung und den daraus resultierenden Sieg über den Tod in der Auferstehung.
Die musikalische Substanz beider Werke – bei Pärt kommt der Tintinnabuli-Stil zur Anwendung – ist von überzeugender Aussagekraft geprägt: Reine Klänge wechseln mit Dissonanzen ab, die bei Moody gelegentlich etwas schärfer ausfallen als bei Pärt. Der Text steht insofern im Vordergrund, als er grundsätzlich verstehbar in Musik gesetzt wurde, ohne dabei stets im Detail musikalisch ausgedeutet zu werden; die Parallele zur Gregorianik ist evident.
Brillant ist die Ausführung durch die drei Streicher und das Sängertrio: Alle sechs Musiker agieren mit je makellosem Timbre in perfekter Harmonie miteinander. Fragen lässt einzig der Beihefttext offen: Was ist mit der „reinen Stimmung“ gemeint, in der der Pärt gespielt wird? Ist die pythagoräische Stimmung angesprochen (dies lässt sowohl der Bezug auf die reinen Quinten im Text als auch der Höreindruck vermuten), dann ist ein großer Teil der Intervalle eben nicht rein, denn z.B. die aus der Quintschichtung resultierende Großterz ist eben hörbar größer als die reine Terz. Auch Inhaltliches zu den Werken und ihren Schöpfern hätte präziser und ausführlicher dargestellt werden können; stattdessen dient sich der Text atmosphärisch offenbar der Stimmung der Musik an, was dem Hörer nicht viel bringt.

Michael Wersin, 25.10.2014



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