Dass Alfred Hitchcock ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Filmmusikkomponisten hatte, war kein Zufall. Wie etwa die Schauspielerin Teresa Wright berichtet, hatte der legendäre Regisseur nämlich bereits ein ausgesprochen feines Ohr für Geräuscheffekte: „Ob jemand nun ging oder mit Papier raschelte oder einen Umschlag zerriss oder vor sich hin pfiff, ob das Flattern von Vögeln oder ein Geräusch von draußen war, alles wurde sorgfältig von ihm orchestriert. Er komponierte die Toneffekte wie ein Musiker Instrumentalstimmen.“ Eine repräsentative Auswahl von sinfonischer Musik zu Hitchcock-Filmen hat der erfahrene Filmmusikdirigent John Mauceri für ein Konzert mit dem Dänischen Nationalorchester vom November 2012 zusammengestellt, die hier als Live-Mitschnitt vorliegt.
Die zumeist von Mauceri selbst zu Suiten arrangierten Partituren bieten einen guten Überblick über die stilistische Vielfalt in den Soundtracks zu Hitchcocks Filmen, die von spätwagnerianischer Romantik über sinfonischen Jazz bis hin zu den avantgardistischen Streicherklängen von Bernard Herrmanns Meisterwerk „Psycho“ reichen. Sehr überzeugend ist der Bernstein-Protegé Mauceri in den jazzigen Passagen (etwa zu Waxmans „Rear Window“), während er in der intrikateren „Psycho“-Suite mit zu breitem Pinsel malt und beispielsweise zu schwere dramatische rhythmische Akzente setzt, anstatt den Horror aus der Andeutung zu entwickeln. Mehr Tiefenschärfe, Textverständlichkeit und eine elegantere Stimmführung hätte auch Arthur Benjamins „Storm Clouds Cantata“ aus „The Man Who Knew Too Much“ vertragen: Wie der mitgeschnittene Applaus zeigt, macht sie als Filmzitat zwar durchaus Effekt, doch um den Sprung ins Konzertrepertoire zu schaffen und beim wiederholten Hören zu faszinieren, müssten schon mehr Facetten dieser Partitur beleuchtet werden.

Carsten Niemann, 01.11.2014



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