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The Trio Meets John Scofield

Pablo Held

Pirouet/NRW Vertrieb PIT3078
(64 Min., 1/2014)

Sie harmonieren prächtig. Der eine: John Scofield, amerikanischer Weltstar, Gitarrist. Die anderen: Pablo Held, Bandleader, Pianist, sowie der Bassist Robert Landfermann und der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel, zusammen eins der feinsten deutschen Klaviertrios. Sie eint die Lust an der Improvisation, am Spontanen, an der aus dem Moment entstehenden Form, an innerer Harmonie, an musikalischer Kommunikation, an unerwarteten Wendungen. Wie ein flexibles Netz wirkt die Musik des Trios, lose geknüpft, wie das Gewebe einer Spinne aus einem unbewussten, nicht auf Papier, wohl aber in der gemeinsamen Erfahrungen der Band herausgebildeten Bauplan abgeleitet. Daran hat sich durch Scofields Beteiligung nicht das Geringste verändert – außer, dass nun vier Musiker die Themen antupfen, drehen, wenden, mit einer Souveränität erkunden, in der sich virtuoses Können und Gelassenheit paaren. Diese Musik lässt Luft zum Atmen, Denken und Hören, und alle vier haben keine Eile, innerhalb kürzester Zeiten möglichst viele Töne ins Geschehen zu werfen. Sie verdichten lieber, lassen Gedanken reifen, werfen Nebenideen ein, reißen Entwicklungslinien um, brechen andere ab oder beharren auf einer Figur, die im Lauf der weiteren Ausgestaltung immense Kraft entwickeln kann. Ihr Zusammenspiel ist der beste Beweis dafür, dass Jazz zwar „free“ sein kann, dies aber mit den landläufigen Vorstellungen von unkoordinierten Spontanereignissen nicht das Geringste zu tun hat. Zwei Stücke von Pablo Held, zwei von John Scofield und dazu noch eine Coverversion von Joni Mitchells „Marcie“: Dieses Material reicht dem Quartett für eine an unaufdringlichem, filigranem Zusammenspiel, Melodien und Tontupfern reiche, sowie rundum packende volle Stunde.

Werner Stiefele, 01.11.2014



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