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Edward Elgar, William Walton, Gerald Finzi

Violinsonaten, Elegie

Daniel Hope, Simon Mulligan

Nimbus/Naxos 7 10357 56662 2
(62 Min., 9/2000) 1 CD

Nachdem er sich auf seinen ersten beiden CDs sehr überzeugend für Schnittke, Schostakowitsch und Weill (siehe Rezension) eingesetzt hat, betritt Daniel Hope nun heimatlichen Boden: Neben den beiden großen Violinsonaten von Elgar und Walton steht die Elegie von Gerald Finzi, der in diesem Jahr hundert geworden wäre, auf dem Programm – ein melodisches, nachdenkliches, ebenso unprätenziöses wie eingängiges Stück, als CD-Premiere von Hope und seinem Partner Simon Mulligan einfühlsam und stilsicher dargeboten.
Es sind jedoch vor allem die beiden Sonaten, in denen Hope und Mulligan ihre ganze interpretatorische Souveränität offen legen. Von der Grundstimmung her ähneln sich die beiden Werke ein wenig – romantisch, etwas melancholisch, tendenziell eher rhapsodisch als formstreng gearbeitet. Wie viele wertvolle Details jedoch in dieser Musik unter der Oberfläche verborgen liegen, legt Daniel Hope mustergültig dar – mit einer Artikulationsvielfalt, die ihresgleichen sucht: Die große aufrauschende Geste und ein kaum mehr wahrnehmbares Flüstern liegen etwa im Kopfsatz der Elgar-Sonate unmittelbar nebeneinander, und die sehr disparaten Stimmungen im Variationssatz des beinahe mediterranen Walton-Opus werden in all ihrem Kontrastreichtum ausgespielt. So ausgeglichen die Kompositionen auch auf oberflächlich wirken – Hope realisiert Extreme. Dennoch, und das ist seine größte Stärke, wirken seine Interpretationen strukturell durchdacht, wie aus einem Guss.
Das gilt auch für das Spiel Simon Mulligans, der sich wie schon auf Hopes vorangegangener CD als ein pianistischer Glücksfall erweist, nicht wie so oft bei Violin-Rezitals lediglich ein Sekundant, sondern ein ebenbürtiger Partner für den Solisten. Hopes Anliegen mit diesem Rezital ist es, die britische Musik einem größeren Publikum nahezubringen – auch außerhalb des Inselreichs. Dass ihm das gelingen wird, daran dürfte kein Zweifel bestehen – außer vielleicht bei der Plattenfirma, die es nicht für nötig erachtete, Hopes ebenso informativen wie unterhaltsamen Einführungstext aus dem Englischen zu übersetzen.

Thomas Schulz, 22.03.2001



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