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Bedřich Smetana, Leoš Janáček

Streichquartette

Jerusalem Quartet

harmonia mundi HMC902178
(71 Min., 5 - 7/2013)

Der vorangegangene Schumann, die geradezu klassizistische Aufnahme von op. 44 und 47 mit dem Pianisten Alexander Melnikov, taugt als Maßstab nicht. Das israelische Jerusalem Quartet fährt bei Smetana und Janáček seine Krallen aus, ist launisch und nervös, aufbrausend und ungestüm. Die Musik lässt freilich auch keine andere Wahl, am wenigsten der alte Janáček, der in seinen späten Quartetten den Aufruhr formuliert, der sein Herz ergriffen hat – entbrannt in unerwiderter Liebe zu einer Frau, die nicht mal halb so alt war wie er selbst. Mit Janáček lässt auch das Jerusalem-Quartett jede Zurückhaltung fahren: Die jähen Umschwünge der Dynamik, die zerfetze Form, in der ein Gedanke den anderen jagt, unterbricht, übertönt, die Radikalität auch des Ausdrucks, die vielen und langen „sul ponticello“-Passagen, in denen es der Leidenschaft beinahe die Sprache verschlägt – diese Radikalität wird mit großer Bereitschaft zum Risiko angenommen und tatsächlich ausgespielt, konzentriert und intensiv. So weit wie seinerzeit das Melos-Quartett in seiner Referenz-Aufnahme von 1992 (beim selben Label) gehen die Israelis allerdings nicht: Der Klang wird nirgendwo dem Geräusch geopfert, selbst die heiserste Passage ist kunstvoll moduliert. Das etwas einfacher gestrickte, ebenfalls autobiografische erste Quartett von Smetana ist eine willkommene Ergänzung dieser kammermusikalischen Tour-de-Force: exzentrisch, melancholisch, manisch-depressiv. Richtig gut.

Raoul Mörchen, 01.11.2014



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