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Cheek To Cheek

Tony Bennett, Lady Gaga

Interscope/Universal 3797228
(35 Min.)

Das ist doch Gaga. Und wunderbar. Da starten der 88-jährige Entertainer Tony Bennett und die 28-jährige Popqueen Lady Gaga ein Duoprojekt – und das klingt so rundum stimmig old fashioned, als habe die junge Ella Fitzgerald eine Wiedergeburt erlebt, so sehr erinnern manche Verschleifungen und Kiekser von Lady Gaga an deren frühe Aufnahmen mit dem Chick Webb Orchestra. Bei ihren Interpretationen von Jazzklassikern verzichtet sie völlig auf den aggressiv-druckvollen Gestus, der ihre stampfenden Discoproduktionen prägt. Stattdessen swingt sie so selbstverständlich, als sei sie zeitlebens Jazzsängerin gewesen. Ihre junge, helle Stimme und Tony Bennetts rauere, aber immer noch frische und bewegliche Altmännerstimme ergänzen sich dabei prächtig. Solo schwärmt sie – eingerahmt von Klavier und dezenten Streichern – vom „Lush Life“, während sich Bennett als Feature ohne Lady Gaga „Sophisticated Lady“ zur reinen Klavierbegleitung ausgesucht hat. Für „Anything Goes“, „I Won’t Dance“ und „It Don’t Mean A Thing“ umgeben die beiden satte Bigbandsounds. Bei „Cheek To Cheek“, „Firefly“, „Let’s Face The Music and Dance“ und „I Can’t Give You Anything But Love“ genügen ihnen Combos als Hintergrund, und Streicher untermalen „Nature Boy“ und „But Beautiful“. Die Spielzeit von etwas mehr als 34 Minuten entspricht dem nostalgischen Charme der Einspielung: Etwa so viel Musik enthielt eine Langspielplatte der 1950er. Es hätte gerne etwas mehr sein dürfen.

Werner Stiefele, 08.11.2014



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