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Flussrauchen

Dieter Manderscheid, Sebastian Sternal

JazzHausMusik/NRW Vertrieb JHM 228
(57 Min., 2014)

Stellen Sie sich vor, Sie stünden an einem Fluss. Nebel dampft aus dem Wasser. Weit und breit kein Auto, nicht einmal ein Schiff, nur Sie und die Morgenstimmung. Da wird das Rauschen im Schilf zur Musik, da hören Sie Vögel, das Schwappen von Wellen am Ufer, undefinierbares Klopfen – und das alles in einer ungewöhnlichen, seltsam melancholischen Harmonie. Damit sind Sie auf das Duo des Pianisten Sebastian Sternal und des Kontrabassisten Dieter Manderscheid eingestimmt. Jeder Ton scheint wie selbstverständlich, jedes Geräusch, jede Melodie. Alles fließt, mal von den beiden komponiert und improvisiert, mal in Anlehnung an das „Largo doloroso“ aus Antonio Vivaldis sechster Cellosonate oder auch an Federico Mompous „Tranquillo“ aus der „Música callada“ und den „Caresse dansée“ aus Alexander Skrjabins „Deux morceaux“, op. 57 sowie Duke Ellingtons „Prelude To A Kiss“. Die beiden Jazzmusiker überschreiten bei ihren Duoaufnahmen Grenzen. Ihre Version von Charles Mingus‘ „Reincarnation Of A Lovebird“ steht ihrer Interpretation der „Drei kleinen Stücke“ op. 11 von Anton Webern in nichts nach: Sorgsam und bedacht stellen sie die Töne in den Raum, lassen ihnen Zeit und Platz zur Entfaltung, scheinen sie oft zaghaft, fast geräuschhaft zu ertasten, bevor sie aufblühen dürfen. So angenehm einzelne Wendungen wirken, so sehr sperren sie sich dagegen, in einem Schaumbad des Wohlklangs aufzugehen. Sie verbinden sich eher zu sanft bewegten Nebelschwaden, die einen so sehr faszinieren, dass man sich keinen Moment vom Ufer weg bewegen will. Den beiden ist eine CD jenseits der gängigen Genreabgrenzungen gelungen, für die man gerne eine Stunde konzentriert sitzen bleibt.

Werner Stiefele, 15.11.2014



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