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Edward Elgar

Orgelwerke

John Butt

HMF/Harmonia Mundi 0 93046 72812 0
(66 Min., 7/2000) 1 CD

Die Orgelwerke von Elgar - das ist so etwas Ähnliches wie die vom Kollegen Thomas Rübenacker gern ins Feld geführten Opern von Chopin. Zwar war Elgar Sohn eines Organisten und übte in seiner Jugendzeit selbst dieses Amt aus, doch schrieb er nur wenige Werke für das Instrument. Auf dieser CD sind sie alle versammelt - hochvirtuos und mit unbestechlichem Sinn für Agogik und Klangfarben, interpretiert von John Butt auf einer der ältesten und traditionsreichen Orgeln Großbritanniens, der des King's College Cambridge.
Das Problem mit diesen Stücken, wenn man's denn überhaupt so nennen möchte, ist, dass es sich zumeist um Gelegenheitswerke von geringem Gewicht handelt - nett anzuhören, gewiss, Elgars Identität ist auch spürbar, aber im Gedächtnis haften bleibt die Musik garantiert nicht. Die zweite Orgelsonate aus Elgars letzter Schaffensphase, ein durchaus interessantes, wenn auch nicht allzu tiefgründiges Werk, wurde für Blaskapelle komponiert und heißt eigentlich "Severn Suite"; die Bearbeitung für Orgel stammt von Ivor Atkins, einem engen Freund von Elgar.
Bleibt als einziges Originalwerk von einigem kompositorischen Gewicht die erste Sonate von 1892, im Grunde eine viersätzige Orgelsinfonie, die den Solisten technisch und gestalterisch fordert und tonsprachlich eine Vorstudie der großen Orchesterwerke, etwa der "Enigma-Variationen" darstellt. Beinharte Elgar-Fans brauchen diese Einspielung natürlich, Orgelfreunde ebenso - alle anderen dürfen sich getrost bedeutenderen Dingen zuwenden.

Thomas Schulz, 02.05.2002



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