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City Folk

James Farm

Nonesuch/Warner 7559795355
(64 Min.)

„Das erste Album war eher eine Art Vorschlag, fast eine Frage: Was ist James Farm? Das zweite Album ist in gewissem Sinne ein Teil der Antwort“, sagt Joshua Redman über die zweite Einspielung des Star-Zusammenschlusses „James Farm“. Recht hat der Saxofonist: Mit „City Folk“ hat das Quartett nicht nur eine verbindliche Genre-Bezeichnung für seine Musik gefunden, sondern legt im Vergleich zum schon beachtlichen Erstling ein deutlich einheitlicheres Werk vor. All die Elemente, die sich beim CD-Debüt auf die verschiedenen Stücke verteilten und für einen leicht unausgegorenen Ausdruck sorgten, finden nun innerhalb der Kompositionen gleichberechtigt ihren Platz.
Eric Harlands federnde Backbeats am Schlagzeug, die irgendwo aus dem Rock geborgt sind, vereinen sich mit Matt Penmans krummen Bass-Grooves, Aaron Parks lyrischem, beinahe europäischen Klavierspiel und Joshua Redmans flüssigen Saxofonlinien zu stets spannenden Ausritten über das weite Farmland. Mal hat der Pop die Oberhand, wie in „Unknown“, wo Redmans Sopransax an Branford Marsalis zu Sting-Zeiten erinnert, mal die Klassik wie in „Jury's Out“ mit seinen vielen Rubato-Stellen und der gegenläufigen Saxofonstimme zum Klavier.
Doch alle Felder werden konsequent im Geiste des Jazz bewirtschaftet – sei es, dass sich Redman und Parks in Erinnerung an die bei Sessions gerne gepflegte klassische „Four/Four“-Soloabfolge in 16taktigen Improvisationen im Titelstück „City Folk“ abwechseln, sei es, dass die Band im düsteren „Mr. E“ die Elektrozaun-Grenzen zu freien Spielformen austestet. Versteckt grüßen auch immer wieder die Altbauern Keith Jarrett und Pat Metheny.
Mit „City Folk“ ist „James Farm“ nun das gelungen, wofür andere Bands für gewöhnlich mehrere Alben brauchen: einen unverwechselbaren Stil zu finden, der gleichzeitig vertraut und doch, dank der individuellen Klasse der Musiker, ganz neu ist.

Josef Engels, 06.12.2014



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