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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Peter Iljitsch Tschaikowski, Frédéric Chopin, Sergei Rachmaninow, Franz Liszt, Sergei Prokofjew, Robert Schumann

Radio Days (The Concerto Broadcasts 1968-1979)

Nelson Freire, diverse Orchester und Dirigenten

Decca/Universal 478 6772
(159 Min., 1968-1979) 2 CDs

Wir kennen den 1944 geborenen Brasilianer Nelson Freire hierzulande wohl vor allem als brillanten Duopartner von Martha Argerich – in einigen spektakulären Einspielungen hat er sich erfolgreich als technisch ebenbürtiges Gegenüber der Argentinierin mit Legenden-Status präsentiert. Was Freire als junger Mann auf dem Gebiet des Klavierkonzerts als Solist geleistet hat, zeigt am Beispiel einiger Radio-Übertragungen aus den Jahren 1968 bis 1979 diese Doppelbox der Firma Decca, die Freire vor Jahren unter Vertrag genommen hat.
Freires interpretatorische Eloquenz und seine musikalisch-poetische Expressivität auch im pianistischen „Hochleistungsbereich“ sind ebenso spektakulär wie seine oben schon erwähnte technische Brillanz. So konnte er in Chopins populärem e-Moll-Konzert selbst bei seiner Debüt-Interpretation im Jahre 1968 schon vielerorts Zauberhaftes zuwege bringen; allerdings agierte das NDR-Sinfonieorchester unter Heinz Wallberg bei diesem Termin eher dürftig – wo hätte man jemals so uneinheitlich jammernde Geigen gehört wie in diesem Mitschnitt schon beim zweiten Thema des ersten Satzes? Um einiges erfreulicher ist danach die Begegnung mit den Sinfonikern des ORTF, bei denen Freire mit Tschaikowskis erstem Konzert 1969 erstmals in Erscheinung trat – gemeinsam übrigens mit Kurt Masur, der zuvor ebenfalls noch nie am Pult des berühmten Ensembles gestanden hatte. Als Ausnahme-Virtuosen erleben wir Freire dann mit „Rach 3“, gespielt 1979 mit den Rotterdamer Philharmonikern unter Zinman – hier läuft er dem Orchester in der Accelerando-Passage am Beginn des ersten Satzes beinahe davon. Auch seine dränglerisch frühen Einsätze beim zweiten Thema desselben Satzes lassen schon erahnen, welche Tastenakrobatik sich bis zur Kadenz hin noch entfalten wird – Geschwindigkeit ist für den Mann keine Hexerei, der Pianist Rachmaninow lässt grüßen. Ähnlich wie dieser trumpft auch Freire niemals unangenehm vorlaut auf, sondern stellt sein Können in den Dienst der Musik. Sein musikalischer Instinkt garantiert den inneren Zusammenhalt dieser im Blick auf die unterschiedlichen Orchester recht bunten Mischung.

Michael Wersin, 13.12.2014



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