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Francesco Araia, Hermann Raupach, Vincenzo Manfredini u.a.

St Petersburg

Cecilia Bartoli, I Barocchisti, Diego Fasolis

Decca/Universal 478 6767
(78 Min., 12/2013-4/2014)

Das Russland des 18. Jahrhunderts brauchte keine Frauenquote, dort bestimmten drei starke Zarinnen (wie die weibliche Spitzenposition in Politik und Wirtschaft damals genannt wurde) die Geschicke des Landes – und prägten natürlich auch das kulturelle Leben: die verschwenderische Anna, die lebenslustige Elisabeth und die resolute Katharina. Diese drei Damen holten Komponisten wie Francesco Araia, Hermann Raupach oder Vincenzo Manfredini nach St. Petersburg an ihren Hof. Namen, die den meisten Musikfans vermutlich nicht viel sagen, aber den Stoff liefern, aus dem Bartoli-Programme gemacht sind.
Es waren vor allem Landsmänner der Sängerin (hier griff definitiv noch keine Frauenquote), die am Übergang vom Barock zur Klassik in Russland den Ton angaben. Und der klingt auch heute noch so gut im Ohr, dass sich die Beschäftigung mit diesen Komponisten und ihren Werken in der Tat lohnt. Cecilia Bartoli tut dies auf ihre gewohnt inbrünstige Art, kombiniert überzeugend empfindsame, getragene Stücke mit Bravourarien. Nur einmal, bei einem Ausschnitt aus Raupachs "Altsesta", der ungeschickterweise gleich als zweiter Track auf die CD gesetzt wurde, verfällt sie wieder in ihr völlig hysterisches Outrieren, das sie in den letzten Jahren eigentlich ganz gut in den Griff bekommen hat. Davon abgesehen, bietet "St Petersburg" nicht nur die Bekanntschaft mit toller Musik, sondern demonstriert einmal mehr, dass auf dem Vokal-CD-Markt – von einigen Tenören abgesehen – die Frauen ganz ohne Quote längst die Spitzenpositionen besetzt haben.

Michael Blümke, 13.12.2014



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