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Gabriel Fauré

Requiem (Klaviertranskription), Nocturnes Nr. 1, 6, 7, 13

Émile Naoumoff

Music For You/Sony SMK 89791
(73 Min.) 1 CD

Man müsse das Klavier wie ein kleines Orchester behandeln, predigte Pierre Sancan, der wohl einflussreichste französische Klavierpädagoge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch regte er seine Schüler zu Transkriptionen an. Dass die innere Vision der orchestralen und vokalen Farben den Klang der französischen Klavierschule radikal veränderte, ja, wie Sancans Schüler Jean Philippe Collard meinte, ihre Tradition geradezu zerstört habe, hört man auch auf dieser Aufnahme des 1962 geborenen Émile Naoumoff, auch er ein „Produkt“ Sancans.
Bereits die vier bedeutenden Nocturnes Faurés, deren Mittelteile in Collards Referenzeinspielung durchaus noch von metallstanzenhafter Regelmäßigkeit französischer Fingertechnik geprägt sind, verlieren sich bei Naoumoff im Sfumato verrauchter Farben. Eine verfeinertere, allerdings auch exzessivere Pedalbehandlung, einen individuelleren Klavierton habe ich bei keinem französischen Pianisten seiner Generation gehört.
Die Transkription und vor allem die pianistische Umsetzung von Faurés Requiem aber gerät zu einer kleinen Sensation. Ich bin kein Freund solcher Arrangements, oft überflüssige Nischenfüller oder eitle Showstücke, aber der Verzicht Naoumoffs auf oft peinliches, konventionelles Klavierfüllwerk adelt diese subtile, den Stimmverlauf von Faurés Werk sehr klar ausstellende, meisterliche Arbeit. Wie es Naoumoff gelingt, Orchestergruppen, Stimmen etwa im zauberhaften „In Paradisum“ zum Eigenleben zu wecken, das ist ein Wunder - eines, das nach Weihrauch duftet und Lilien. Zumal der Klavierklang in dieser Aufnahme ungewöhnlich plastisch und warm eingefangen wurde.

Matthias Kornemann, 06.12.2001



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