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Gabriel Fauré, Camille Saint-Saëns

Requiem, Sinfonie Nr. 3

Martha Angelici, Louis Noguéra, Maurice Duruflé, Les Chanteurs de Saint Eustache, Orchestre, André Cluytens

Testament/Note 1 SBT 1240
(73 Min., 9/1950, 9/1955) 1 CD

Zwei wichtige Einspielungen des belgisch-französischen Dirigenten André Cluytens sind auf dieser CD erstmals seit langer Zeit wieder greifbar: Die 1955 entstandene Aufnahme der "Orgelsinfonie" von Camille Saint-Saëns und vor allem seine erste, 1950 in Paris verwirklichte erste Produktion des Requiems von Gabriel Fauré.
Während Cluytens für sein zweites Fauré-Requiem von 1962 Victoria de los Angeles und Dietrich Fischer-Dieskau als Solisten verpflichtete, baute er 1950 ganz auf ein französisches Ensemble, und das zum Vorteil des Stücks: Die brillante, heute in Vergessenheit geratene Martha Angelici interpretiert das "Pie Jesu" intonationsreiner und unprätentiöser als später ihre spanische Kollegin, schöner übrigens auch als die meisten anderen Sopranistinnen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten an diesem schwierigen Solo versucht haben.
Chorisch ist die Aufnahme nicht hundertprozentig befriedigend: Die Chanteurs de Saint Eustache dürften wohl der Laienchor der bei den Hallen gelegenen Kirche gewesen sein; entsprechend unausgewogen ist bisweilen ihr Klangbild, und die Absprachen der Konsonanten sind oft keineswegs kongruent. Wer eine chorisch perfekte Aufnahme sucht, der ist mit Herreweghes gerade erschienener Neuaufnahme ohne Zweifel ungleich viel besser bedient (HMF, siehe Rezension).
Was bei Cluytens jedoch überzeugt, ist die Atmosphäre: konzentriert, engagiert und vielerorts auch stimmschön gemäß ihren Fähigkeiten sind die Laiensänger bei der Sache, ab und zu dringt einmal eine Einzelstimme aus dem Chor hervor, und spätestens in solchen Momenten erschauert der Zuhörer bei dem Gedanken, dass hier Menschen zu hören sind, von denen wahrscheinlich kaum noch einer am Leben ist. Auf einen Tonträger gebannt, singen sie hier voller Inbrunst ihr eigenes Requiem - und ein besonders warmherziges und ergreifendes noch dazu, denn Fauré brachte hier seine Sichtweise von einem Tod ohne Schrecken ein, indem er Teile des liturgischen Textes strich und alles andere in ein wohltuend liebevolles und tröstliches Licht tauchte.

25.04.2002



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