Es ist zum Wahnsinnigwerden: Da bietet man ein Traumgespann für Donizettis meistgespielte Oper auf – und versagt ihm die entsprechende künstlerische Unterfütterung! Als man im Juli 2013 für eine Reihe konzertanter Aufführungen Diana Damrau und Joseph Calleja in die Münchner Philharmonie holte, blieb wohl nicht genug Budget für die übrigen Beteiligten an dieser "Lucia di Lammermoor". Bei Diana Damrau hört man die intensive Beschäftigung mit der Partie, sie gestaltet enorm durchdacht, formt auch gesanglich höchst differenziert, degradiert dadurch beispielsweise die Wahnsinnsszene nicht zum Showstück. Ihre Stimme ist in den letzten Jahren voluminöser geworden, in der Mittellage satter, hat die sichere Höhe dadurch aber keineswegs eingebüßt. Joseph Callejas Edeltenor bietet da als Edgardo die perfekte Ergänzung, zumal sich auch der Malteser bei aller vokalen Verführungskraft nie aufs billige Prunken verlegt.
So weit, so beglückend. Leider singen die beiden tiefen Männerstimmen nicht in der gleichen Liga wie das Liebespaar. Ludovic Tézier (Enrico) wirkt alles andere als anstrengungsfrei, zieht etliche Töne hoch und klingt für einen Mittvierziger reichlich müde. Nicolas Testé stuft sich zwar selbst als Bassbariton ein, ist aber sogar mit der reinen Basspartie des Raimondo in der Höhe überfordert. Und als ob das nicht genügen würde, um den großartigen Eindruck des Protagonistenduos zu schmälern, gesellt sich am Pult noch ein bestenfalls als solide zu bezeichnender Dirigent dazu – obwohl es flügellahm wohl besser trifft. Kein Wunder, dass die gute Lucia wahnsinnig wird.

Michael Blümke, 17.01.2015



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