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Johannes Brahms

Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11 & Serenade Nr. 2 A-Dur op. 16

Gewandhausorchester, Riccardo Chailly

Decca/Universal 478 6775
(65 Min., 5/2014)

Bei erfolgreichen Filmen ist es schon länger üblich, ein Sequel oder auch ein Prequel hinterherzuschieben. Dieser Trend scheint sich jetzt auch bei Klassikaufnahmen durchzusetzen. Hatten im vergangenen Herbst Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie Bremen zu den Beethoven-Sinfonien die Ouvertüren nachgelegt, so gönnen jetzt Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester den Fans ihres Brahms-Zyklus mit den Serenaden eine Zugabe.
Chailly serviert die beiden frühen Werke mit Mendelssohnscher Spritzigkeit, unterstreicht durch delikate Leichtfüßigkeit die Haydn-Nähe, arbeitet die Beethoven-Anleihen klangprächtig heraus – und lässt zugleich keinen Zweifel daran, dass hier schon unüberhörbar der ganze Brahms drinsteckt. Beweglich und transparent, aber auch mächtig und ausladend kommt diese überrumpelnde neue Referenzaufnahme daher, gerade die fließenden Übergänge zwischen Kammermusik und großer Sinfonie in der D-Dur-Serenade geraten den Leipzigern perfekt.
Der Maestro schlägt gleich im umfangreichen Eingangssatz sehr flotte Töne an, nimmt ihn wirklich "Allegro molto" und setzt damit nicht nur die Klangschönheit und -opulenz des Orchesters ins vorteilhafteste Licht, sondern auch dessen Virtuosität, von der auch der fulminant gespielte Schlusssatz geprägt ist. Im deutlich "serenadigeren" Schwesterwerk in A-Dur, das den Musikern nicht minder überzeugend gerät, verdienen die ganz wunderbaren Bläser im langsamen Satz ein dickes Extralob. Eine tolle Idee also, dieses Sequel, das eigentlich ein Prequel ist.

Michael Blümke, 31.01.2015



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