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Gabriel Fauré, Claude Debussy

La bonne Chanson, Ariettes oubliées, Fêtes galantes, Trois chansons de Bilitis, Le promenoir des deux amants, Trois ballades de François Villon

Suzanne Danco, Guido Agosti

Testament/Note 1 SBT 1289
(68 Min., 1950-1954) 1 CD

Im Jahr 2000 starb die flämische Sopranistin Suzanne Danco im Alter von 89 Jahren; vergessen war sie schon Jahrzehnte davor, denn ihre Sängerinnen-Karriere endete etwa 1970. Ohnehin war das Repertoire der französischen Mélodie, innerhalb dessen sie Unübertreffliches geleistet hatte, in Deutschland nie besonders populär. Von ihren zahlreichen Schallplattenaufnahmen verschwanden die meisten schnell in den Archiven, und Wiederbelebungsversuche wie in der mittlerweile schon wieder gestrichenen Decca-Reihe „Great Singers“ blieben die Ausnahme, denn der gegenwärtige Markt schreit in immer kürzeren Abständen nach brandneuen Sensationen.
Zum Glück gibt es kleine Liebhaber-Labels wie „Testament“, die frei gewordene Aufnahmen aus den Beständen der Großen wieder zugänglich machen, denn Suzanne Dancos Liedgesang ist eine zeitlose Sensation: Als Debussy-Interpretin wird sie höchstens von Maggie Teyte erreicht, deren bedrohliches Brustregister den Meister möglicherweise zum starken Einsatz der tiefen Lage in seinen Liedern inspiriert hat. Ganz so gruselig wie die Teyte klingt Madame Danco nicht, aber sie verfügt auch über jene verschwenderische Freigiebigkeit in puncto Schönklang, Intensität und Legato, die so ganz aus der Mode gekommen zu sein scheint und daher für heutige Ohren immer ein wenig altmodisch klingt. Was Szeryng auf der Geige vermochte, was Moravec auf dem Klavier noch vermag, das schaffte Suzanne Danco als Sängerin: Ihre Interpretationen sind wie ein Ausflug in eine andere Welt auf Flügeln eines ganz unprätentiösen Gesangs; unverkrampft und offenherzig bedient sich Danco ihrer aus der Sicht eines Opern-Fans sicher bescheidenen, aber sehr, sehr kostbaren stimmlichen Mittel und erinnert, besonders auch im Fall von Faurés „La bonne Chanson“ nach Gedichten von Verlaine, an eine Lied-Kunst, deren Größe darin liegt, dass mittels profunden Könnens das Schwierige mit entwaffnender Einfachheit und Selbstverständlichkeit vermittelt wird.

13.09.2003



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