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Love Letters and Other Missiles

Julia Biel

Rokit/H’ART Musik-Vertrieb RKT030
(45 Min.)

Jamie Cullum, der Star des britischen Jazzpianos, ist ein hingerissener Fan der Sängerin/Pianistin/Gitarristin/Komponistin Julia Biel. Die Begeisterung des popaffinen Urmusikanten Cullum mag auch daher rühren, dass er in ihr eine verwandte Seele erkennt: Wie er kennt sie keine Berührungsängste, wenn es um Pop-oder Rockentwicklungen der letzten Jahrzehnte geht. Ähnlich begeistert wie Cullum ist die englische Presse und feiert die Tochter einer deutschen Mutter und eines südafrikanischen Vaters als Synthese von Björk und Billie Holiday. In der Tat hat Biels Stimme etwas von der brüchigen Tristesse einer Lady Day; selber nennt sie Nina Simone und Cassandra Wilson als Vorbilder. Der bittersüße Gestus ihrer Songs hat aber auch etwas von der Melancholie eines Leonard Cohen. Mit intellektueller Skepsis sublimiert die ehemalige Oxford-Studentin der Literatur sprachlich die allgegenwärtige Herz-Schmerz-Thematik – nachvollziehbar dank der im Booklet abgedruckten Texte.
Entsprechende Klischees sind – nur teils verfremdet – in die Arrangements verbannt. Während die Musik Biels im reduzierten Trio-Format höchst überzeugenden zeitlosen Jazz darstellt, fordern die groß besetzten „Love Letters …“ vom geneigten Jazzhörer die Bereitschaft zu einem erheblich erweiterten Jazzbegriff, wie er ihn im reinen instrumentalen Bereich eher selten toleriert. Die atmosphärischen Schichtungen aus vielerlei Gitarrenklängen und gelegentlichen Streicherteppichen, vor allem aber die vielen Backing Vocals sind es, die seine zunächst ungestüme Freude über diese äußerst authentische und originelle Stimme ausbremsen; doch letztlich milde gestimmt von raffinierten Bläserriffs zweier Tracks ist er zu konzedieren bereit, dass es sich bei aller Jazz-Einschränkung um ein herausragendes Singer-Songwriter-Album handle.

Thomas Fitterling, 07.02.2015



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