home

N° 1254
21. - 27.05.2022

nächste Aktualisierung
am 28.05.2022



Responsive image

Pinball

Marius Neset

ACT/Edel 1090322ACT
(62 Min., 6/2014)

Es ist sicherlich noch zu früh, den norwegischen Saxofonisten Marius Neset mit einem so Übergroßen wie Keith Jarrett zu vergleichen. Aber in einem Punkt sind sich der amerikanische Piano-Star und der 30-jährige Skandinavier, der von Album zu Album souveräner mit seinen persönlichen, höchst virtuosen Ausdrucksmöglichkeiten umgeht, sehr ähnlich: Wie Jarrett könnte auch Neset von sich behaupten, dass er sein Leben lang eigentlich nur Schlagzeug gespielt habe. Und zwar auf dem Saxofon.
„Pinball“, Nesets neue Einspielung, liefert dafür mit dem Duo-Stück „Music For Drums and Saxophone“ den augenfälligen Beweis. Mit perkussiven Atemgeräuschen und pointiertem Klappenklappern wird Neset gewissermaßen zu einem Teil von Anton Egers Schlagzeugset. Aber auch in den anderen Kompositionen, die Streicher und Flöten in den Sound einer um Vibrafon und Marimba erweiterten Jazz-Combo integrieren, zeigt der Norweger seine Liebe fürs Schlagzeugspiel: Das Rhythmische ist die Antriebsfeder, mit der der im Albumtitel heraufbeschworene Flipperautomat zum Leben erweckt wird.
Mit krummen Metren, irrwitzigen Verschachtelungen und eigentümlichen Synkopen schießt Neset seine Flipper-Kugeln auf eine unberechenbare Reise. Mal streifen sie die Weltmusik, rufen dabei Assoziationen zur afrikanischen Polyrhythmik oder indischen Ragas hervor, mal sammeln sie Bonuspunkte bei der Klassik und der Minimal Music, mal umkreisen sie die skandinavische Volksmusik.
Alles auf „Pinball“ ist gleichzeitig wildes Spiel und gut durchdachte Strategie. Wenn Neset, der Pinball Wizard im Geiste Michael Breckers, so weitermacht, wird er bald dem alten Jarrett-Weggefährten Jan Garbarek den Rang als wichtigster Saxofonist des hohen Nordens abgelaufen haben.

Josef Engels, 14.02.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Klarinettist Sebastian Manz und der Pianist Herbert Schuch sind beide anerkannte Meister auf ihrem Instrument. Für ihr neues Album bei Berlin Classics haben sie sich zusammengetan, um drei bedeutende Duowerke der Romantik gemeinsam zu durchschreiten, die auf raffinierte Art und Weise die Klarinettenstimme mit dem Klavierpart verweben: Johannes Brahms’ zwei Klarinettensonaten, die dieser dem damaligen Starklarinettisten Richard Mühlfeld auf den Leib schrieb, die späten Fantasiestücke […] mehr


Abo

Top