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Igor Strawinski, Claude Debussy, Ferrucio Busoni

1913. Au carrefour de la modernité (Les musiciens et la Grande Guerre Vol. 2)

Jean-Sébastien Dureau, Vincent Planès

Jean-Sébastien Dureau, Vincent Planès
(76 Min., 7/2014)

Es ist eine klavierbautechnische Spezialität, die den Aufhänger für dieses Programm ausmacht: Zwischen 1897 und 1943 hat die französische Firma Pleyel insgesamt 48 Doppel-Flügel gebaut, die zwei gegenüberliegende Klaviaturen sowie zwei komplette Saitensätze in nur einem Corpus vereinen. Das Konzept spart einerseits Platz, andererseits ist eine vollkommenere klangliche Harmonie für das Piano-Duett-Spiel kaum denkbar – kommt der gesamte Sound aus einem Klangkörper, dann spielen die beiden Pianisten quasi an einem Instrument, ohne sich allerdings in die Quere zu kommen wie beim vierhändigen Spiel an einer Klaviatur.
Die Pianisten Jean-Sébastien Dureau und Vincent Planès demonstrieren den oben beschriebenen Effekt auf dieser CD durchaus eindrucksvoll – und verweisen damit gleichzeitig auch auf die Grenzen der Idee: Vergleicht man die Piano-Duett-Version von Strawinskis „Sacre“ mit Einspielungen, bei denen tatsächlich zwei Flügel auf der Bühne standen, dann zeigt sich, dass gerade die räumliche Trennung der Klangkörper für größere Plastizität bei der pianistischen Wiedergabe dieser komplexen Orchesterpartitur sorgt. Kleinere technische Unebenheiten tun ein Übriges dazu, dass man am Ende doch etwa die von Martha Argerich plus Partner greifbaren Darbietungen bevorzugt.
Dies schmälert allerdings nicht das Interesse am Rest des Programms: Debussys Trilogie „En blanc et noir“, komponiert im Jahre 1915 unter ironischer Verwendung des Luther-Chorals „Ein feste Burg“ zum Ärgernis für die „Austro-Boches“, ist ein ebenso hörenswertes Werk wie Busonis „Fantasia Contrappuntistica pour deux pianos“: Geradezu besessen wandelt Busoni hier mit modernen harmonischen Mitteln auf den Spuren Johann Sebastian Bachs, indem er nicht nur die Musikalisierung von dessen Namen, sondern auch den Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ in einem ansonsten kontrapunktisch faszinierend dichten Satz als omnipräsente musikalische Chiffren verwendet.

Michael Wersin, 21.02.2015



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