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Franz Schubert

Fantaisie (Klaviersonate G-Dur D 894 „Fantasie“, Ungarische Melodie h-Moll D 817, Fantasie f-Moll D 940 für Klavier zu vier Händen u.a.)

David Fray, Jacques Rouvier

Erato/Warner 0825646166992
(79 Min., 11/2014)

Unendlich zart, halb tastend, halb träumerisch seufzend und in den feinen Schimmer eines glöckchenhellen Diskants gehüllt lässt David Fray den Anfang von Schuberts „Fantasie“-Sonate erklingen. Ein starker Beginn, der den Hörer sofort für den 1981 geborenen französischen Pianisten einnimmt und die Bereitschaft erweckt, sich für die volle himmlische Länge der Sonate auf seinen versonnenen Interpretationsansatz einzulassen. Begibt man sich beim Hören auch selbst in einen träumenden Dämmerzustand, dann wird einem das Album, das Schubert ganz aus dem Blickwinkel des weltentrückten Fantasierers betrachtet, auch bis zum Schluss tiefen Genuss bereiten.
So individualistisch wie man denken mag, ist Frays Ansatz dabei nicht: Mit seiner Pianissimo-Kultur und besonders auch seiner Farbgebung im Diskant gelingt ihm letztlich oft nur das Kunststück, Klangqualitäten historischer Flügel auf dem modernen Instrument neu zu entdecken. Besonders positiv macht sich dies auch in den vierhändigen Kompositionen bemerkbar, die Fray zusammen mit seinem Lehrer Jacques Rouvier interpretiert, denn deren Klangbild wirkt ungewöhnlich elegant und von allem Massiven und Rumpeligen befreit. Wer allerdings auch an den Dramatiker Schubert glaubt, bei den vierhändigen Werken vor allem am kontroversen Dialog der Partner interessiert ist und die Anklänge an ungarische Volksmusik nicht immer nur als verklärtes Echo, sondern auch mal als deftiges Zitat erleben will, mag sich von der faszinierenden, aber auch sehr dominierenden Katzenpfötigkeit dieses bemerkenswerten Albums auf Dauer etwas genervt fühlen.

Carsten Niemann, 21.02.2015



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