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Reboot

Jürgen Friedrich

Nwog/Edel 1044918NWO
(57 Min., 4/2013 & 1/2014)

Auch mit seinem neuen Trio verfolgt Jürgen Friedrichs konsequent sein Ideal des intimen offenen Musizierens. Wie der Mittvierziger Friedrich selber kommen auch Bassist David Helm und Schlagzeuger Fabian Arends aus der Kölner Szene – und sind zwanzig Jahre jünger. Der Pianist kennt sie von ihren ersten Gehversuchen an; sie wiederum wurden in ihrer musikalischen Sozialisation von ihm geprägt. Ideale Voraussetzungen also für die schlafwandlerische Empathie, wie sie für Friedrichs Musik essentiell ist, vollzieht sich diese doch in reaktiven Prozessen, die im Wesentlichen vom Klavier angestoßen werden.
Offenheit ist dabei eine Schlüsselkategorie. Eine Offenheit, die auf das Wagnis einer interaktiven Improvisation setzt, die sich an einem Minimum an Absprachen orientiert, ohne sich dabei in tonale oder rhythmische Beliebgkeit zu verlieren, sondern vielmehr einem Spiel mit harmonisch ausgebufften Klängen und einer rhythmischen Freiheit, die doch immer jazztypisch pulsierenden Flow impliziert, verpflichtet ist. So kann ein Blues etwa in ganz neuem Licht erstrahlen, oder ein Klavierstück von Schönberg eine faszinierend stimmige Jazzanverwandlung erfahren. Friedrich geht die Wege weiter, die einst ein Paul Bley oder ein Bob Degen mit dem späteren ECM-Chef Manfred Eicher am Bass erkundet haben. Man denkt auch an den jungen Eberhard Weber, der mit Wolfgang Dauner ebenfalls dieses Terrain explorierte und für die Agogik auch im Jazz eintrat. Hier wird seine Forderung beglückende Wirklichkeit: Faszinierend ver- und entflechten sich sinnliche Klanglichkeit des Klaviers, höchste Klangsensibilität des Schlagzeugs und sanghaft warmtönende Basslinien.

Thomas Fitterling, 28.02.2015



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