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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Aleksandra Grychtolik, Alexander Grychtolik

Fantasia Baroque (Improvisationen über Werke von Bertali, Pasquini, C.P.E. Bach, Improvisation einer Partita in der Art Johann Sebastian Bachs u.a.)

Aleksandra Grychtolik, Alexander Grychtolik

Coviello/Note 1 COV 91501
(57 Min., 6/2012)

Was wir als Barockmusik kennen, ist nur die Spitze eines Eisbergs: Zum Alltag von Bach, Händel & Co gehörte schließlich nicht nur das Komponieren, sondern auch das Improvisieren am Instrument. Diese fast völlig aus dem Konzertalltag verschwundene Praxis wiederzubeleben, ist eine der spannendsten Herausforderungen in der aktuellen Alte Musik-Szene. Das polnische Cembaloduo Aleksandra & Alexander Grychtolik führt in seinem neuen Album dabei eine Vielfalt von Ansätzen vor: So sind neben Improvisationen auf das Bassmodell der Ciaccona auch Bernardo Pasquinis Sonaten für zwei bezifferte Bässe zu hören, bei denen nur Melodie und ausfüllendes Figurenwerk improvisiert werden müssen. Ihnen stehen eine völlig frei erfundene Solosuite im Stile von Bach sowie die freie Fantasie fis-Moll seines Sohnes Carl Philipp Emanuel gegenüber, die eine der wenigen verschriftlichten Improvisationen des 18. Jahrhunderts darstellt. Den Abschluss bildet eine Concerto-Improvisation für zwei Cembali, die sich an die Cembalokonzerte von Bach senior anlehnt.
Das Anliegen der Grychtoliks ist es, möglichst glaubwürdig im Stil der gewählten Vorlage zu bleiben. Dies gelingt nicht nur bei den vielfältigen, vom Gravitätisch-Volltönenden bis zum Kantabel-Galanten reichenden Pasquini-Sonaten, sondern auch in der Solosuite, die das Bach'sche Idiom erstaunlich flüssig nachahmt. Für den Hörer allerdings ist diese „Bach“-Suite nicht von einer komponierten Stilkopie zu unterscheiden. Das eigentliche Faszinosum Improvisation entsteht nur in den dialogischen, auf wiederkehrendem Material aufbauenden Stücken wie den Pasquini-Sonaten oder der Ciaccona: Erst hier, im spontanen Dialog und im direkten Aufeinandertreffen der Einfälle, werden die blitzschnellen Reaktionen der Partner und ihre Ideenfülle zum unmittelbaren, verblüffenden Ereignis.

Carsten Niemann, 21.03.2015



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