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Giovanni Paolo Cima

Vespro della Beata Virgine

Musica Fiorita, Cantilena Antiqua, Daniela Dolci

Pan Classics/Note 1 PC 10316
(61 Min., 12/2012)

Das auf dieser CD präsentierte Programm als „Vespro“ zu bezeichnen und es durch Angabe der Jahreszahl 1610 in Beziehung zur Marienvesper von Claudio Monteverdi zu setzen, scheint gewagt: Das Besondere an Monteverdis Sammlung von Mess- und Vespermusik ist schließlich die kreative konzertante Vertonung von Psalmen – und solche fehlen auf dieser CD vollkommen. Nicht einmal eines der beiden Magnificats, die Cimas Sammlung laut Beiheft tatsächlich enthält, wurde eingespielt. Stattdessen hören wir geistliche Solomotetten über (Hohelied-)Texte, die tatsächlich mit Marienfesten verbunden sind, ähnlich wie Monteverdis „Nigra sum“ etc. Ergänzt werden diese Solomotetten durch gregorianische Antiphonen der Marienvesper, die freilich mit Cimas Sammlung nicht unmittelbar zu tun haben.
Eine Vesper ohne Psalmen also. Terminologisch ein „Etikettenschwindel“, musikalisch allerdings ein Genuss: Cimas Solomotetten sind hochexpressive, vom Text her detailliert ausgestaltete Preziosen, die sich mit Monteverdis Werken derselben Gattung ohne weiteres messen können. Sie werden u.a. ergänzt durch kleinbesetzte Instrumentalstücke (Sonaten), die – Instrumentalmusik hatte damals noch viel zu tun mit einer am vokal-textbezogenen Repertoire geschulten Rhetorik – hochdifferenzierte Meisterstücke sind, hervorragend dargeboten durch die Instrumentalisten der „Musica Fiorita“. Zum Ensemble gehören hier des Weiteren fünf hervorragende Sänger, eine reine Männerbesetzung mit dem Sopranisten Doron Schleifer an der Spitze. Sie präsentieren eine ideale interpretatorische Umsetzung dieser 400 Jahre alten Musik aus der Zeit Monteverdis und helfen, unser Bild vom musikalischen Schaffen jener Epoche zu erweitern. Eine ungemein verdienstvolle Produktion, die sehr viel Hörgenuss bietet.

Michael Wersin, 28.03.2015



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