Kurz vor Weihnachten veröffentlichte Erato ihre Münchner "Lucia", pünktlich zu Ostern bringt das Label ein neues Recital mit Diana Damrau heraus. Donizetti ist mit "Rosmonda d'Inghilterra" und "Maria Stuarda" auch auf dieser CD vertreten, will die Sopranistin doch die "Fiamma del belcanto" hochhalten, wozu sie außerdem in Elviras und Aminas Gewänder schlüpft, bevor sie sich dem mittleren Verdi zuwendet ("I masnadieri", "La traviata" & "Luisa Miller"), um das Programm mit Mimì und Nedda ausklingen zu lassen.
Wieder einmal punktet Diana Damrau mit überlegter Gestaltung und überlegenem Gesang, und doch vermisst man etwas ganz Entscheidendes: Überlegt bedeutet nicht automatisch auch überzeugend oder gar überwältigend. Ihre Violetta beispielsweise kann als Musterbeispiel für intelligente Akzentuierung und sinnvollen Ausdruck gelten – aber man kauft dieser Frau nicht ab, dass sie wirklich in Wallung gerät, womöglich gar zu transpirieren beginnt. Die Bedrängnis Luisa Millers wirbelt emotional keinen Staub auf, hinterlässt die Gefühle der Heldin nicht nur sauber, sondern rein. Mimìs "Donde lieta uscì" ist ein einziges wohlklingendes Missverständnis und Elviras Wahnsinnsszene gelingt selbst Joan Sutherland eindringlicher. Man wünscht sich mehr Stücke wie Maria Stuardas Cabaletta "Nella pace", wo Damrau Durchdachtheit mit Glaubwürdigkeit vereint und ein packendes Gefühlsporträt bietet. Dann würde die zitierte Flamme richtig lodern, denn toll gesungen ist das alles ohnehin.

Michael Blümke, 11.04.2015



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