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Charles-Marie Widor

Orgelsinfonien Nr. 1 & 2

Martin Bambauer

Aeolus/Note 1 AE10471
(78 Min., 5/2008)

Der in Lyon geborene Charles-Marie Widor wirkte an der Cavaillé-Coll-Orgel von St.-Sulpice mehr als sein halbes Leben lang, von 1870 bis 1933. Und was für einen Eindruck dieses klangallmächtige Instrument sogleich auf ihn gemacht hatte, teilte er später in seinen „Erinnerungen“ mit: „Als ich unter meinen Händen und Füßen die 6000 Pfeifen der Orgel von Saint-Sulpice vibrieren fühlte, machte ich mich daran, meine ersten vier Orgelsinfonien zu schreiben.“ Mit diesen ersten Orgelsinfonien knüpfte Widor nicht nur an die Werke César Francks und damit des Vaters der sinfonischen Orgelmusik an. Mit seinen mehrsätzigen Kompositionen begründete er die Gattung der Orgelsinfonie, die von seinen Schülern Louis Vierne und Marcel Dupré ebenfalls nachhaltig geprägt wurde. Und welche Pioniertat ihm gleich mit dem ersten Sinfonie-Quartett op. 13 gelungen war, verdeutlicht eine 1872 von der Pariser Zeitschrift „Le Ménestrel“ veröffentlichte Nachricht. So habe sich der französische Staat entschieden, das gerade veröffentlichte Opus 13 für seine Bibliothek anzukaufen. Die Originale sollte Widor jedoch bald noch einmal überarbeiten und wie im Fall der fünfsätzigen Nr. 1 um zwei Sätze erweitern. Dazu gehört auch der jetzt zu hörende, prunkvolle „Marche Pontificale“. Dass dabei die nötige Portion Pathos nicht überschwappt, darauf hat der in Trier wirkende Organist Martin Bambauer jetzt bei seiner Neueinspielung der ersten beiden Orgel-Sinfonien geachtet. Und die Motorik, die gefährlich schnell ins Zirkushafte umschlagen kann, besitzt bei Bambauer Größe und Tiefe. Überhaupt hat man durchweg den Eindruck, dass er sich an Widors Instrument äußerst wohl gefühlt hat bzw. die St.-Sulpice-Orgel ganz seinem Geschmack entspricht. Denn gerade das Zarte und Weiche, das auch die französischen Meisterorgeln ausmacht, kostet er dank einer behutsamen Registrierung mehr als nur exquisit aus. Zugleich gelingen Bambauer eine imponierende Plastizität und Klangraumstaffelungen, die besonders im Finale der 2. Sinfonie beeindrucken. Eine herausragende Aufnahmequalität, ein vorzügliches Booklet sowie der zugegebene „Chasse“-Satz, den Widor ursprünglich für die Zweite bestimmt hatte, machen diese Einspielung rundherum empfehlenswert.

Guido Fischer, 18.04.2015



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