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Afrodeezia

Marcus Miller

Blue Note/Universal 00602547214416
(66 Min.)

2013 wurde Marcus Miller von der Unesco zum „Artist For Peace“ und zum Sprecher des „Slave Route Project“ ernannt. Das Blue-Note-Debüt des Bassisten, der als Tieftöner, Komponist und Produzent für das Spätwerk von Miles Davis verantwortlich zeichnete, steht ganz im Zeichen dieser neuen Aufgabe: Eine ganze Reihe unterschiedlicher Aufnahmeorte wie Marokko, Rio, Paris, Louisiana oder New York dienten Miller als Ausgangspunkt für die Suche nach dem Weg, den die Sklaven Afrikas nach Europa und in die Vereinigten Staaten nahmen.
Dafür lud sich der Bassist unter anderem Gäste aus Mali oder Burkina Faso ein und erweiterte seine junge eingespielte Band um Gaststars wie den Trompeter Ambrose Akinmusire, den Pianisten Robert Glasper oder die Sängerin Lalah Hathaway.
Auch wenn Miller dann und wann zur Gimbri, dem afrikanischen Lauten-Vorfahren seines Fender Jazz Basses, greift, können Fans des Slap-Künstlers unbesorgt sein: „Afrodeezia“ ist ein typisches Marcus-Miller-Album geworden, mit satten Funk-Grooves, unnachahmlich melodiös-knackigen Daumen-Soli und kleinen geschmacklichen Seichtigkeits-Ausreißern.
Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die Sklaventhematik Millers Palette deutlich erweitert hat. Neben Delta-Blues (in der Aufbereitung des Soul-Klassikers „Papa Was A Rolling Stone“), Afro-Pop-Gospel („Preacher's Kid“) und Rap („I Can't Breathe“ mit Chuck D.) wagt der Unesco-Künstler mit „I Still Believe I Hear“ aus Bizets „Perlenfischern“ nun sogar einen Schritt in Richtung Klassik. Das ist allerdings ein Weg, den Miller nicht unbedingt weiterverfolgen muss.
Ganz im Gegensatz zu seiner afroamerikanischen Spurensuche, die er auf „Afrodeezia” ganz ohne erhobenen Zeigefinger (bzw. Daumen) betreibt. Miller zeigt vielmehr, wie aus der Verzweiflung der Verschleppten eine musikalische Überlebensstrategie der Freude wurde, die mit ihrer Kraft die ganze Welt eroberte.

Josef Engels, 25.04.2015



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