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The Melody

Kenny Werner

Pirouet/Edel PIT3083
(57 Min., 9/2014)

Für eine Reihe von Pianisten wurde Kenny Werners Buch „Effortless Mastery: Liberating The Master Musician Within“ aus dem Jahr 1996 zum Leitfaden für eine meditative Spielhaltung, die ihnen die Souveränität gibt, dem Unterbewussten die Dominanz über das (notwendigerweise) Geübte zu gewähren. Kenny Werner selbst wurde dafür am Berklee College of Musik zum Artistic Director of The Performance Wellness Institute ernannt.
Tatsächlich zeichnet seine Konzerte und Tonträger ein kontinuierlicher, tranceartiger Fluss aus, der mit einem immensen Gefühl für Melodien und rhythmische Verzahnungen der einzelnen Bandmitglieder einhergeht. Die sieben Stücke auf „The Melody“ leben genau aus diesem Geist: Unter Werners Fingern beginnt der Flügel zu flüstern und zu singen und Melodien drehen und wenden sich scheinbar mühelos. Der Kontrabassist Johannes Weidenmüller und der Schlagzeuger Ari Hoenig agieren ähnlich intuitiv – einerseits die Folge einer seit 1999 andauernden Partnerschaft und andererseits Ergebnis der geistigen Verwandtschaft. Vier Eigenkompositionen und drei Coverversionen enthält die Disc, darunter eine anfangs in pointilistische Figuren aufgelöste Version von Dave Brubecks „In Your Own Sweet Way“, die sich im weiteren Verlauf mit melodieselig swingenden Passagen kontrastiert. Ebenfalls weit von den gängigen Versionen entfernt sind ihre Fassungen von „Try To Remember“ des Autorengespanns Tom Jones/Harvey Schmidt und John Coltranes „26-2“: fröhliche Songs, gespickt mit Breaks und unerwarteten Wendungen, die trotz aller Überraschungen durch weit gespannte Gedankenbögen zusammen gehalten werden. Sie und die vier Eigenkompositionen Werners sind durch eine derart freundliche und offene Atmosphäre geprägt, dass jede neu ins Spiel gebrachte Idee organisch mit dem Bisherigen verwoben ist und dadurch angenehm und selbstverständlich erscheint: drei scheinbar von allen Mühen befreite Meister.

Werner Stiefele, 13.06.2015



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