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César Franck, Ludwig van Beethoven

Violinsonate A-Dur, Violinsonate Nr. 9 A-Dur (Kreutzer-Sonate)

Gerhard Taschner, Walter Gieseking

Bayer-Records/Note 1 4 011563 200536
(63 Min., 10/1947, 12/1951) 1 CD

Dem reichen Leben unterhalb der Piano-Schwelle ist diese herrliche Deutung der Franck-Sonate gewidmet. Den zweiten Satz mögen andere Duos mit stürmischer anbrandendem Elan meistern, mögen den Kanon des Finales mit mehr Glanz ausrollen, aber das parfümierte Zwielicht des Kopfsatzes mit all den Farbwechseln andauernden Modulierens, das fangen Taschner und Gieseking vollendet ein.
Man muss die altmodischen Portamenti Gerhard Taschners, dies schmalzige Ansingen der Töne nicht mögen, aber dennoch zieht keine schmachtende Spätromantik in dieses Spiel ein, das nicht emotionsgesättigt ist, sondern fast nüchtern mit den Farbwerten spielt, wie es dann später Debussy tat. Der dritte Satz ist dann ein wahres Wunder. Ein tückisch schwer zu gestaltendes Gebilde. Geradezu ausufernd schwelgt da die Violine über dürrem Begleituntergrund. Einem allzu selbstverliebten Geiger – Taschner war keiner von ihnen - kann dies verlockend klangsatte Material in lasche, episodische Stimmungsmalerei zerstieben. Doch der spröde Klavierpart ist das kontrapunktische Gerippe, das die rezitiativischen Teile zusammenhält.
Welche rätselhafte Dichte Gieseking hier mit behutsam dosierten Mitteln erreicht, mit geringem Pedal, mit sachtesten dynamischen Abstufungen, ist nicht nur erstaunlich, es macht ihn auch zum diskreten Regisseur des sich allmählich zu mehr Fülle steigernden Satzes. Wem gelänge es, in einer einzelnen, chromatisch fallenden Linie das kleine Poco-espressivo-Ereignis nachzuschaffen, das Franck vorgeschwebt haben mag, ohne den geigenden Rhapsoden damit zu behelligen, sondern ihm da allenfalls einen mattglänzenden Teppich auszubreiten. Der Klaviergigant Gieseking konnte bescheiden dienen. Konnte sich aber mit Taschner im Finale der Kreutzer-Sonate auch in einen A-Dur-Rausch spielen. Den Archiven sind wieder einmal größte Kostbarkeiten entstiegen.

Matthias Kornemann, 18.01.2001



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