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Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Frédéric Chopin, Henri Dutilleux, Camille Saint-Saёns, Franz Schubert

Inédits 1959 - 1962

Monique de la Bruchollerie

INA Live/harmonia mundi IMV063
(73 Min., 1959 - 1962)

Eine Haydn-Sonate, eine Mozart-Fantasie, ein bisschen Chopin von einer lang verblichenen französischen Pianistin … Wird das den Rezensenten begeistern können? Es hat den Rezensenten begeistert, und zwar vom ersten Ton an: Monique de la Bruchollerie, geboren 1915, durch Unfall spielunfähig geworden 1966, gestorben 1972, besticht durch die einzigartige Klarheit und Konzentriertheit ihres Spiels. Weitab von den effekthascherischen Haydn-Eskapaden eines Lang Lang agierend, führt sie den Hörer zum substantiellen Kern der von ihr bis in den letzten Winkel durchdachten Werke. Sie lockt das Publikum mit der elektrisierend präzisen Fingerfertigkeit ihres eher trockenen, gestochen scharfen Spiels und sie fasziniert mit den mannigfaltigen Schattierungen des Klavier-Timbres, die ihr wie eine nonverbale Sprache zu Gebote stehen.
Beinahe ein wenig zu nüchtern scheint sie sich Chopins Charakterstücken zu widmen, aber schnell wird klar, dass sie sich dort, wo Leidenschaft, Virtuosität und gesteigerter Ausdruck gefordert sind, dann doch nicht zurückhält – sie verweigert lediglich die Dauer-Hochspannung. Solche Ökonomie befähigt sie, dem Hörer die Klaviersonate von Dutilleux als atemberaubendes Feuerwerk pianistischer Eloquenz zu präsentieren: Geschickt eingesetztes Understatement verhindert den Überwältigungs-Gestus auch im größten Getümmel, immer ist man gewillt, auch mit dem Verstand zu folgen. Eine hochsensible Interpretin, die trotz der geringen Anzahl hinterlassener Aufnahmen unbedingt nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Michael Wersin, 27.06.2015



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