Eine Verbindung, die für beide Teile vorteilhaft ist: Berlin Classics hat mit Christiane Karg eine der begeisterndsten Stimmen der jüngeren Generation unter Vertrag, die Sopranistin ihrerseits hat in dem zur Edel-Gruppe gehörenden Label eine künstlerische Heimat gefunden, in der sie weitgehend freie Hand bei Inhalt und Ausgestaltung ihrer Recitals hat. "Scene!" heißt die mittlerweile vierte CD, nach zwei Liederprogrammen und einer Auswahl von Opernarien präsentiert sich die 34-Jährige diesmal mit einem halben Dutzend Konzertarien, mit Ausnahme von Mendelssohns "Infelice" (1834) alle in den 80er und 90er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden und alle von Verlust, Verzicht oder Verzweiflung handelnd. Große Emotionen also, die von Christiane Karg aber – der zeitlichen Verortung der Stücke entsprechend – ganz klassisch angegangen werden, ohne "romantisch" aufgedonnerte Überhöhung. Die Sängerin gestaltet ganz aus dem Text heraus mit stimmfarbigen Mitteln, ihre Seriosität lässt sie jede Effekthascherei vermeiden. Ob das wunderbar duftig geratene "Non temer, amato bene" oder die mit leidenschaftlicher Emphase überzeugende "Scena di Berenice" – das edle Timbre von Kargs silbrigem Sopran verleiht den Kompositionen zusätzlichen Glanz. Und das sich unmittelbar übertragende ideale Einvernehmen mit Arcangelo und seinem Leiter Jonathan Cohen ist ohnehin ein Glücksfall.

Michael Blümke, 27.06.2015



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