Die Koppelung zweier gänzlich unterschiedlicher Musikgenres ist auf den ersten Blick überraschend. Hier das Requiem von Gabriel Fauré, das trotz der in sich gekehrten Ruhepole melodiöses Schweben und klassizistische Reinheit besitzt. Dort die sinfonische Reminiszenz von César Franck an Richard Wagner, auf dessen latente Gefahr zum pathetischen Dunst schon viele Dirigenten hereingefallen sind.
Philippe Herreweghe bringt mit seiner Aufnahme aber jetzt gleich mehrere Argumente ins Spiel, um diese beiden Meisterwerke der französischen Musikdichtung nebeneinander zu stellen. Wobei das Plädoyer für die große Orchesterfassung, die Fauré 1901 erstellte, zur Folie für die formale Durchhörbarkeit von Francks Breitwandspekaktel wird.
Beide Werke bestechen bei Herreweghe in ihrer Transparenz mit Ernst und Tiefe. Von bisherigen Klischees ist nichts zu hören. Leidenschaft ist hier endlich kein Überwältigungsmodell mehr, das mit schlierenden Ritardandi und tumultösen Schicksalsballungen zu beeindrucken sucht. Stattdessen ist es bei Fauré ein Ausleuchten von Klangdelikatessen und der stimmlichen Gedankenlinien, die das Orchester dank rhythmischer und dynamischer Stärke- und Wirkungsgrade ermöglicht. Zumal die Solisten Johannette Zomer und Stephan Genz in ihrer schlanken Klanggebung sich nicht auf Wohlklang ausruhen. César Francks Sinfonie ist plötzlich ein Organismus, dessen Blutbahnen Herreweghe derart entkalkt hat, das dadurch eine lyrische Intensität und eine bisweilen ungewohnt kecke Agogik fließen und pulsieren kann.

Guido Fischer, 11.04.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top