Nach elf Jahren an der Spitze des Gürzenich-Orchesters verabschiedete sich Markus Stenz Anfang Juni 2014 mit vier Aufführungen von Schönbergs "Gurre-Liedern" aus Köln. Warum gerade ein englisches Label diese Konzerte mitgeschnitten hat, bleibt ein Rätsel, wichtig ist nur, DASS hyperion es getan hat, denn das Ergebnis ist grandios.
Auch wenn in diesen 1 ¾ Stunden viel (und erfreulicherweise sehr gut) gesungen wird, ist dies zuallererst das Verdienst von Dirigent und Orchester. Der gemeinsame Mahler-Zyklus war ebenso wie Wagners "Ring" (und die eingehende Beschäftigung mit Zemlinsky unter dem früheren Chef James Conlon) sicher eine ideale Vorbereitung auf diesen von einer Taube handelnden Schwanengesang: Klangsinnlich malen der Maestro und seine Musiker in verführerischen Farben, gönnen dem Hörer orchestrales Schwelgen bis hin zur – kontrollierten – Extase. Das alles zudem aufnahmetechnisch hervorragend eingefangen, gut aufgefächert, auch in den Ausbrüchen perfekt durchhörbar.
Dazu gesellen sich hochklassige Solisten. Der differenzierte, zudem höhensichere Brandon Jovanovich, der für König Waldemar die nötigen Reserven mitbringt, ohne in Kraftmeierei zu verfallen, die leicht dunkel getönte, sicher aus- und aufschwingende Tove von Barbara Haveman und die großartige Claudia Mahnke mit einer packend intensiven Erzählung der Waldtaube. Alles in allem also ein würdiges Abschiedsgeschenk, die Quintessenz des in gut einem Jahrzehnt gemeinsam Erreichten.

Michael Blümke, 25.07.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Heute auf den Tag genau, am 26. Januar, wäre sie 75 Jahre alt geworden: Jacqueline du Pré, die viel zu früh verstorbene Ausnahmecellistin, Schülerin von Pablo Casals und Mstislaw Rostropowitsch. Legendär ist nicht nur ihre Aufnahme des Cellokonzerts von Edward Elgar, nein, das Werk selbst, mittlerweile beliebt im Konzertsaal, erfuhr durch du Pré erst seinen Aufschwung: Die Londoner Uraufführung am 27. Oktober 1919 war zunächst eine große Enttäuschung. Der Dirigent Albert Coates hatte […] mehr »


Top