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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Anecdotal Evidence

Axel's Axiom

Foxtones/Heinzelmann FM1415
(74 Min.)

Widersprüche bestimmen die Kunst des in Köln geborenen Pianisten Axel Schwintzer: Er ist ein fantasievoller Solist, steckt seine Kreativität jedoch mehr in vertrackte Kompositionen für eine größere Besetzung; er liebt den Klang des klassischen Klaviers, schreibt aber so, als wäre er ein Fusion-Keyboarder.
Der größte Widerspruch liegt freilich darin, dass der Rheinländer in den USA bekannter ist als in Deutschland. Für sein vor fünf Jahren veröffentlichtes Debüt erntete der seit 2007 in New York lebende Komponist und Pianist lauter wohlwollende Besprechungen amerikanischer Kritiker. Zeit, dass man Schwintzer nun auch in seinem Geburtsland kennenlernt.
Seine zweite Veröffentlichung trägt die Lust am Widersprüchlichen, Doppeldeutigen schon im Album-Titel: „Anecdotal Evidence“ lässt den bonmothaften Witz, der Anekdoten zu eigen ist, mit der Evidenz musikalischer Könnerschaft flirten. Schwintzers aus New York rekrutierte Mitstreiter, der Gitarrist Aki Ishiguro, der Tenor- und Altsaxofonist Aaron Henry, der E- und Kontrabassist Evan Gregor sowie der Schlagzeuger Marko Djordjevic, beleben die Formvorlagen des Bandleaders präzise und voller Spiellust.
Die Kompositionen haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Aus vertrackten Klavier-Ostinati entwickelt der Pianist gewissermaßen Doppelwesen: Der CD-Opener „Virtuos Cycle“ ist gleichzeitig ein erdiges Gospel-Stück und eine an die Yellowjackets gemahnende Jazzrock-Nummer, bei „Antimatter“ verleihen flirrende Beckenschläge der vermeintlich stillen Ballade im Stil von „Blue In Green“ eine eigentümliche Uptempo-Nervosität.
Ohnehin versteckt Schwintzer gerne bekanntes Standardmaterial des Jazz in seinen Song-Konstruktionen: „Above & Beyond“ trägt Restspuren von „What Is This Thing Called Love“, die im 7/4-Takt durchgerüttelt werden, der federleichte Bossa-Album-Abschluss „Unexpectedly“ basiert auf den ersten Takten von „Body & Soul“. Tradition und Neuausrichtung, ernsthafter Kompositionsanspruch und Unterhaltungswert müssen eben keine Widersprüche sein.

Josef Engels, 25.07.2015



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