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Aura

RGG

Okeh/Sony 88875017602
(69 Min., 5/2014)

Im Jahre 2013 belebte Sony BMG das einst von dem Deutsch-Amerikaner Otto K. E. Heinemann gegründete Okeh-Label neu. Das stand früher für kraftvolle schwarze Musik, jetzt trat es unter dem Motto „Global Expressions in Jazz“ an. Im Jahr des Label-Relaunch gab es bei dem prominenten polnischen Jazztrio RGG eine tiefgreifende Umbesetzung: Der junge Łukasz Ojdana ersetzte Przemysław Raminiak am Klavier. Kontrabassist Maciej Garbowski und Schlagzeuger Krysztof Gradziuk, die schon seit 2001 dabei waren, blieben in der Band, der Name RGG wurde beibehalten. Mit diesem neuen RGG-Trio hat sich nun auch Okeh ein Klaviertrio der neuen, spezifisch europäischen Innerlichkeit ins Portfolio geholt. Ein in extrem kleiner Schrift gehaltener Beitrag des ganz in Pink gehaltenen Booklets setzt Coverart, Albumtitel und Musik in verquast esoterischen Bezug.
Die Musik selber macht sich gar nicht klein, sie ist zwar der interaktiven Offenheit verpflichtet, wie man sie auch vom Marcin Wasilewski-Trio kennt, doch pflegt Łukasz Ojdana eine Akkordik, die weniger atmet, als dass sie mit fast bedrückender Fülle in virtuoser Darlegung zu beeindrucken sucht. Das Schlagzeug ist druckvoller Impulsgeber und wechselt dabei ständig zwischen rhythmischer Attacke und rubatierender klangkolorierender Komplementärstrukturierung. Ebenso virtuos agiert der Bass, wobei bei ihm wie beim Schlagzeug eine aufnahmetechnische Betonung der tiefen Frequenzen das drängende Moment der Pianistik zusätzlich befördert. Doch dieses Drängen tritt bei aller Dynamik oft konturlos auf der Stelle, auch wenn das Programm eigentlich auf Abwechslung angelegt ist. Die Themen reichen von Originals bis zu Songs von Peter Gabriel, Ornette Coleman, Carla Bley oder Milton Nascimento. Subtiler und stringenter produziert hätte das leicht ein Vier- oder gar Fünf-Punkte-Album werden können.

Thomas Fitterling, 01.08.2015



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