Responsive image
Jan Dismas Zelenka

Triosonaten

Paul Dombrecht, Marcel Ponseele, Danny Bond, Chiara Banchini

Glossa/Note 1 GCDC80014
(108 Min., 11/1982 & 2/1988) 2 CDs

Die vorliegende Wiederveröffentlichung in der ansprechenden Reihe „Glossa Cabinet“ führt uns zurück in eine frühe Phase der „Historisierenden Aufführungspraxis“: 1982 und 1988, also noch hineinragend ins Zeitalter der Langspielplatte, wurden Jan Dismas Zelenkas sechs Triosonaten für Oboen und Basso continuo erstmals auf alten Instrumenten eingespielt – im Beiheft ist ein blutjunger Marcel Ponseele abgebildet. Noch jung war zu jener Zeit nicht nur der professionelle historisierende Umgang mit barockem Repertoire, sondern auch derjenige mit der Musik Zelenkas überhaupt: Johann Sebastian Bachs unglücklicher Dresdner Kollege und Zeitgenosse war seit seinem Tod im Jahre 1745 viel länger und gründlicher in Vergessenheit geblieben als Bach, und die vorliegenden Stücke waren erst Ende der 1970er Jahre von dem nicht historisierend spielenden, aber sehr Alte-Musik-affinen Oboisten Heinz Holliger ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden. Dombrecht und Ponseele legten wenige Jahre später mit der ersten Hälfte dieser Aufnahme nach, und ihnen gelang auf mittlerweile auch quellenkundlich sehr sicherer Basis eine Interpretation, die den klanglichen Charakter und die musikalischen Eigenheiten dieser wunderbaren Stücke optimal zur Geltung bringt. Im Reigen der noch immer nicht zahlreichen Einspielungen dieses Sonaten-Zyklus‘ (Holliger hat sie fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Pionierleistung nochmals produziert) hat die vorliegende Version, die mit ihren liebenswürdigen kleineren Unebenheiten hie und da noch auf die Frühzeit des historischen Oboenspiels weist, andererseits aber ebenfalls den Geist der Pioniertat atmet, nach wie vor ihren festen Platz.

Michael Wersin, 12.09.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wanderpokal: Von Lübeck aus, wo er 39 Jahre Organist an der Marienkirche war und in nur hundert Schritten von seiner Wohnung zur Arbeit und wieder zurück kam, brachte Dietrich Buxtehude die ganze Musikwelt des Barock in Bewegung. Seine Abendmusiken hatte er aus einer schönen Lübecker Tradition weiterentwickelt: Bevor die Bürger zum Handeln in die Börse gingen, begaben sie sich noch einmal zur moralischen Entschuldung in die Marienkirche und wurden dort vom Organisten mit Musik […] mehr »


Top