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Antonio Maria Montanari

Violinkonzerte

Ensemble Diderot, Johannes Pramsohler

Audax/harmonia mundi ADX 13704
(60 Min., 1/2015)

Die schlechte Nachricht zuerst: Corelli ist tot, und Vivaldi hat auch schon lange nichts mehr komponiert. Müssen Barockgeiger, die eine neue Aufnahme vorlegen wollen, deswegen verzweifeln oder abgekautes Repertoire neu abnagen? Die gute Nachricht dieser Einspielung ist: Sie müssen es keinesfalls. Die sechs Violinkonzerte des Wahlrömers Antonio Maria Montanari (1676 - 1737), von denen Johannes Pramsohler und das Ensemble Diderot hier ganze fünf sogar in Ersteinspielungen vorstellen, mögen in Einzelzügen an Montanaris Mentor Corelli und seinen Generationskollegen Vivaldi erinnern – doch sind sie an diesen Stellen nicht weniger gut als in den Momenten, wo Montanari plötzlich in sauber ausgearbeiteten Fugati, harmonischen Exkursen, ausgedehnten Doppelgriffpassagen oder knackigen, thematisch profilierten Unisoni eigene Wege geht. Und virtuos sind die Stücke, die mit verschiedenen Lösungen zwischen dem alten Typus des Concerto grosso mit mehreren Solisten sowie dem modernen Solokonzert spielen, ohnehin.
Pramsohler und sein Ensemble überzeugen bei ihrem Plädoyer für Montanari auch deswegen, weil sie diese Musik nicht wie einen verspäteten Corelli oder nicht ausgereiften Vivaldi auffassen, sondern sie in ihrer manchmal fast ein wenig schroffen Individualität ernst nehmen. Sie tun dies mit einem Spiel voller Sonorität, Klarheit, Frische und differenzierter Ausdruckskraft, dem man sogar verzeiht, dass an den Stellen, wo Montanari die Violine in die allerhöchsten Lagen jagt, auch etliche Unsauberkeiten hörbar werden. Wenn der bekannte Vivaldi- und Albinoni-Forscher Michael Talbot in seinem Beihefttext meint, dass man Montanari allein wegen dieser Konzerte einen „Ehrenplatz im Pantheon der römischen Musiker“ einräumen müsse, dann hat er den Mund nicht zu voll genommen.

Carsten Niemann, 19.09.2015



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